Sonntag, 18. April 2021
Mittwoch, 1. Juli 2009

LOKALSPORT

Erik Dinter: Sechs Monate gesperrt

von unserem Sportredakteur Thomas Manthey

Fußball (TZ). Verhandlungen wegen rassistischer, antisemitischer und menschenverachtender Äußerungen hat das Sportgericht des Leipziger Fußballverbandes (LFV) bislang kaum geführt. Doch Anfang Juni bekamen die LFV-Juroren mit Jürgen Tittelmeier an der Tete einen solchen besonderen Fall auf den Tisch.

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Fußball (TZ). Verhandlungen wegen rassistischer, antisemitischer und menschenverachtender Äußerungen hat das Sportgericht des Leipziger Fußballverbandes (LFV) bislang kaum geführt. Doch Anfang Juni bekamen die LFV-Juroren mit Jürgen Tittelmeier an der Tete einen solchen besonderen Fall auf den Tisch: Im Bezirksklasse-Punktspiel  Beilrode – Schildau (2:3) kassierte der Beilroder Erik Dinter nach Schiedsrichterbeleidigung einen Platzverweis. Bei seinem Abgang setzte der dazumal 21-Jährige seiner Schimpfkanonade gegenüber dem Referee die Krone auf und äußerte sich gegenüber dem Schiedsrichterkollektiv „…man sollte Euch wie Juden vergasen, Ihr…“. Der Hammer!
Zum Spielformular, auf dem das Vorkomm-nis notiert wurde, folgte alsbald ein von dem Schieri Wolfgang Küster (Wellaune) verfasster Sonderbericht. Wenige Tage nach dem Punktspiel, am 6. Juni lag, die Angelegenheit beim LFV-Sportgericht.

Der FSV Beilrode 09, der sich in der inzwischen abgelaufenen Saison mehrmals wegen Unsportlichkeiten einiger Spieler sowie Mitglieder des Trainerstabs zu verantworten hatte, reagierte umgehend. Der FSV-Vorstand gab eine Stellungnahme ab und entzog wenige Tage nach dem Vorfall E. Dinter wegen dessen vereinsschädigender Äußerung die Mitgliedschaft im Verein. Der Beschuldigte räumte einen schwer- wiegenden Fehler ein, formulierte eine Stellungnahme, sandte diese an den Leipziger Fußballverband und entschuldigte sich schriftlich beim Schiedsrichterkollektiv. Seinen Fehltritt nebst menschenverachtender Äußerung begründet er nach eigenen Worten mit seiner leichten Erregbarkeit, Unbeherrschbarkeit und seinem aufbrausendem Verhalten auf dem Fußballplatz. Er bekannte sich zu seinem Fehler und stellt diesen nicht in Frage. In seinem Schlusssatz äußerte der Zwethauer, dass er jede Entscheidung (Anm. d. Red.: des Sportgerichts) respektiert, egal wie diese ausfällt.

Am 23. Juni wurde Dinters rassistischen und menschenverachtende Äußerung verhandelt. Weil die Fakten klar sind und die Beweislage unstrittig ist, gab es ein schriftliches Verfahren. In dem wurde Erik Dinter für die Dauer bis zum 31. Dezember 2009 für jeglichen Spielbetrieb gesperrt. Zudem erhielt er eine Geldstrafe von 500 Euro (gemäß § 30 (4) der RVO des LFV wird Mithaftung des Vereins festgelegt). Weil aber der Zwethauer inzwischen aus dem FSV 09 ausgeschlossen wurde, vermerkten die Juroren folgenden Zusatz: Gemäß § 31 der Rechts- und Verfahrensordnung bleibt das Strafmaß gegenüber Sportfreund Dinter in voller Höhe (6 Monate) bei Wiedereintritt in einem Mitgliedsverein oder Mitgliedsverband bestehen. Die Strafe tritt vom Zeitpunkt des Wiedereintrittes wieder in Kraft.
Doch auch der FSV Beilrode 09 kommt nicht ungeschoren aus der Angelegenheit heraus! In seiner Urteilsbegründung schrieb das LFV-Sportgericht zudem fest: Bei wiederholten Fehlverhalten von Spielern, Trainer und Funktionären des FSV Beilrode 09 behält es sich das Sportgericht vor, von etwaigen Punktabzügen Gebrauch zu machen.


Erklärung
Hiermit möchte ich, Erik Dinter, nach dem Sportgerichtsurteil, welches von mir voll anerkannt wird, mich bei allen Fans, Spielern und Verantwortlichen des TSV Schildau und des FSV Beilrode 09 für meine sehr grobe und unverzeihliche Äußerung entschuldigen.
Ich weiß, welche Folgen das für mich und meine Familie hat und werde mich in meinem persönlichen und sportlichen Leben in Zukunft ändern.
Ich hoffe, dass die Sportfreunde und Fans aus beiden Vereinen meine Entschuldigung anerkennen.
Mit sportlichem Gruß, Erik Dinter.
Zwethau, den 21. 6. 2009


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