Montag, 25. Oktober 2021
Montag, 1. August 2011

LOKALGESCHEHEN

Mittelschüler als Hobby-Historiker

DIZ-Mitarbeiterin Julia Zimmermann freut sich auf die Zusammenarbeit mit den Mittelschülern aus Torgau-Nordwest. Foto: TZ/C. Wendt

von unserem Redakteur Christian Wendt

Torgau (TZ). Die Projektarbeit hat noch nicht einmal angefangen, da gibt‘s auch schon einen Preis: Wie die Heimatzeitung in der vergangenen Woche berichtete, konnten das Dokumentations- und Informationszentrum (DIZ) Torgau und die Mittelschule Nordwest mit einer gemeinsamen Projektidee überzeugen.

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Torgau (TZ). Die Projektarbeit hat noch nicht einmal angefangen, da gibt‘s auch schon einen Preis: Wie die Heimatzeitung in der vergangenen Woche berichtete, konnten das Dokumentations- und Informationszentrum (DIZ) Torgau und die Mittelschule Nordwest mit einer gemeinsamen Projektidee überzeugen. Ihr Konzept eines von Schülern selbst gestalteten interaktiven Stadtrundgangs durch Torgau 1933-1945 wurde jüngst vom Sächsischen Kultusministerium ausgezeichnet und für das Programm „LernStadtMuseum Sachsen – Schüler entdecken Museen“ ausgewählt.

Am 18. August wird diese Idee in Dresden gemeinsam mit elf weiteren prämiert. Verständlich, dass die Freude bei DIZ-Mitarbeiterin Julia Zimmermann riesengroß ist. Es ist vor allem Vorfreude auf die Zusammenarbeit mit den Mittelschülern, die sich im kommenden Schuljahr nicht nur mit den „goldenen Seiten Torgaus“ beschäftigen, sondern sich auch vertieft mit der „dunklen Seite“ befassen werden.
Stichwort NS-Zeit. Torgau war ab 1943 Ort des Reichskriegsgerichts, das in unmittelbarer Nähe der heutigen Mittelschule im Wohngebiet Nordwest – in der einstigen Zietenkaserne – seinen Sitz hatte. Dies war das oberste Militärgericht. Historiker schätzen, dass diese Institution allein seit 1939 mehr als 1400 Todesurteile verhängte, von denen mehr als 1200 vollstreckt wurden.

Die Torgauer Mittelschüler werden sich im Zuge des Projekts allerdings nicht nur mit der Militärjustiz beschäftigen. Nach Angabe von Julia Zimmermann gäben beispielsweise auch das Kriegsgefangenenlager oder auch das Thema Zwangsarbeit hervorragende Recherchethemen ab. Sie schätzt, dass zehn bis 15 Zehntklässler des Geschichtskurses an dem Projekt teilnehmen. Ob es möglicherweise auch auf die neunten Klassen ausgeweitet wird, müsse schulintern noch geklärt werden. In dem Programm „LernStadtMuseum“ sollen schulisches Lernen mit erlebnisorientiertem Lernen in Museen oder Gedenkstätten verbunden und Jugendliche dazu angeregt werden, sich aktiv mit Kultur und Geschichte in der eigenen Region auseinanderzusetzen. Das Ergebnis soll ein interaktiver Stadtrundgang sein, der im Internet auf Google Maps begehbar sein soll.

„Neben Fotos und Texten können die Schüler hier auch Audio- und Videodateien einbinden, um so die Geschichte der Orte noch plastischer werden zu lassen“, erläutert Julia Zimmermann, „außerdem kann man so die Orte auch mit Biografien verbinden.“ Doch bis alle Welt per Google darauf zurückgreifen kann, ist es noch ein weiter Weg. „Wir wollen mit dem Projekt die Schüler dazu anregen, selbst zu denken“, sagt DIZ-Leiter Wolfgang Oleschinski. Das Internet solle nicht als Quelle bereits aufgearbeiteten Materials verstanden, sondern als Chance begriffen werden, die eigenen Arbeitsergebnisse der Öffentlichkeit zugänglich zu machen. Gäbe es erst einmal genug Material, stünde beispielsweise für die Smartphones von Touristen auf einfachste Art und Weise ein ganz spezieller Stadtrundgang mit einer Vielzahl an Informationen zur Verfügung.

Die Idee dazu kam Julia Zimmermann während einer Fachtagung der Bundeszentrale für politische Bildung. Hier hatte ein Lehrer aus Koblenz einen virtuellen Stadtrundgang vorgestellt, den er für seine Schüler entwickelt hat. „Das hat mich dazu gebracht, zu überlegen, wie diese an sich großartige Idee abgewandelt werden kann, damit die Schüler selber aktiv werden können“, erinnert sich die DIZ-Mitarbeiterin.  In der Mittelschule Nordwest zeigte man sich ob der Idee von Anfang an begeistert. Schüler erarbeiten sich eigenständig regionale Geschichte. Der Lerneffekt dürfte deswegen groß sein. Zimmermann setzt dahingehend auch auf den „Spaßfaktor“ als Antriebskraft, der in diesem Projekt deutlich größer sein dürfte als bei manch einer Belegarbeit.

Das DIZ verstehe sich dabei als zeitgeschichtliche Service-Einrichtung, die nicht nur Informationen an die Schüler liefere, sondern die Jungen und Mädchen wissenschaftlich begleite und ihnen mit Rat und Tat zur Seite stehe. So gelte es beispielsweise für die Schüler, nicht nur zu lernen, wie wissenschaftlich zitiert werde. Vielmehr würden sie auch viel über datenschutzrechtliche Aspekte durch die Verwendung des Internets lernen, sagt Zimmermann. Copy and paste – zu Deutsch kopieren und einfügen – war gestern. Im neuen Schuljahr zählt es, den eigenen Grips anzustrengen. Und wer weiß, vielleicht gibt es ja die ein oder andere Schule, die sich den Nordwestlern bei ihrem  Aufbruch in die Geschichte anschließen möchte.

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