Donnerstag, 28. Mai 2020
Montag, 22. August 2011

LOKALGESCHEHEN

Deutsche Sprache, schwere Sprache

Die neue Rechtschreibung kann man nur schwer (er)tragen. Hier sieht man Josefine Wendt mit verschiedenen Wörterbüchern aus der Duden-Reihe. Foto: TZ/Leopold

von unserer Volontärin Josephine Leopold

Nordsachsen (TZ). Vor sechs Jahren wurde die Rechtschreibung das letzte Mal geändert. Jetzt beginnt das neue Schuljahr und die reformierte Rechtschreibung sorgt noch immer für Probleme.

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Nordsachsen (TZ). Vor sechs Jahren wurde die Rechtschreibung das letzte Mal geändert. Jetzt beginnt das neue Schuljahr und die reformierte Rechtschreibung sorgt noch immer für Probleme. Von Politikern als leicht erlernbar gelobt, doch nicht alle Regeländerungen werden von den Torgauern als nachvollziehbar empfunden. Man stellt sich sogar die Frage nach dem Sinn der Rechtschreibreform.
Im Kultusministerium scheint der Rechtschreibsegen noch gerade zu hängen. Prof. Dr. Roland Wöller, sächsischer Staatsminister für Kultus und Sport, benutzt die momentan gültige Rechtschreibung und schreibt nicht „nach Gefühl“. Auch Susann Mende weiß als stellvertredende Pressesprecherin im sächsischen Ministerium für Kultus und Sport nur Positives über die Rechtschreibreform zu berichten. „In den sächsischen Schulen wurde die neue deutsche Rechtschreibung positiv umgesetzt. Natürlich liegt das auch an der umfangreichen Weiterbildung der sächsischen Lehrer“, erklärt sie.

Für Korrekturleserin Brigitte Herzog hingegen bedeutete die erste Reform der deutschen Rechtschreibung nicht nur eine plötzliche Umstellung, sondern war auch mit  viel Arbeit verbunden.„Ich habe mir 1996 die Regeländerungen mühselig angeeignet. Nicht alles erschien mir logisch, trotzdem habe ich mich mit dem Thema auseinandergesetzt und versucht, mein Wissen weiterzugeben. “Viele Stunden verbrachten sie und ihre Kollegen mit dem neuen Regelwerk und dem Duden, der ein Rettungsanker zu sein schien. Doch dann wurde das Regelwerk 2004 in besonders strittigen Punkten erneut geändert und auch der Duden schien weniger hilfreich als zuvor. „Als die Rückänderung kam, haben wir zu fünft versucht, die Änderungen zu verstehen. Der Duden war für mich nicht mehr so verständlich wie zuvor. Es gab auf einmal zwei richtige Schreibweisen für ein und das selbe Wort“, so die 61-Jährige. Fragt man Brigitte Herzog, welcher Fehler denn am häufigsten vorkommt, weiß sie sofort Bescheid. „Viele Nutzen das ß nicht mehr, weil sie glauben, der Buchstabe wäre nicht mehr existent. Dann schreiben sie Spass statt Spaß. Dieser Irrglaube ist wirklich furchtbar. Sogar das Fernsehen übernimmt solche Rechtschreibfehler, da ist es kein Wunder, wenn die Bevölkerung nicht mehr weiß, wie sie etwas richtig schreiben soll.“

Auch Steffen Bärtl hadert mit der Rechtschreibreform „ Es kann eigentlich nicht sein, dass das Alte plötzlich gänzlich falsch ist, nur weil etwas Neues in Kraft getreten ist“, erklärt der Torgauer. „Ich bin nicht allwissend. Allgemein gesagt: Nur weil jemand eine Eins in Deutsch auf seinem Zeugnis vorweisen kann, ist er nicht zwangsläufig ein Meister der deutschen Sprache“, so der Torgauer. Wenn er in Sachen Rechtschreibung unsicher ist, greift er genau wie Brigitte Herzog auf den Duden zurück. „Der Duden ist immernoch die verlässlichste Quelle, um herauszufinden, wie ein Wort richtig geschrieben wird“, erklärt der 33-Jährige. Privat und als Autor nutzt er allerdings die alte Rechtschreibung, die vor der Reform 1996 gültig war. „Ich weiß, wer mit der Rechtschreibung vor 1996 schreibt, wird zwangsläufig vor Fehlern strotzen. Aber ich stehe dazu: Ich schreibe so, wie ich es in der Schule gelernt habe“, sagt Steffen Bärtl. „Mir stellt sich die Frage, ob die erneute Reform von 2004 wirklich notwendig war. Sicherlich loben die Politiker und auch das Kultusministerium die neue Rechtschreibung, ich frage mich aber, ob die ganzen Regeländerungen sinnvoll waren und sind. Die Menschen kamen gut mit der Reform von 1996 aus, eine weitere Änderung hat die Bevölkerung nur noch mehr verunsichert und trotzdem keine sinnvolle Lösung gebracht“, ergänzt der Torgauer Autor.

Im Buchhandel sind die Regeländerungen rund um die Rechtschreibung auch nach so vielen Jahren noch immer ein aktuelles Thema „Unsere Kunden klagen, dass sie die oft geänderte deutsche Rechtschreibung als schwierig empfinden. Viele wissen gar nicht mehr, wie ein Wort richtig geschrieben wird, und sind verunsichert“, so Josefine Wendt, Buchhändlerin am Torgauer Markt. Auch sie hat die Rechtschreibung vor 1996 erlernt und empfindet die mehrfachen Änderungen als kompliziert „Für mich ist das Thema Rechtschreibreform ziemlich verwirrend. Ich habe viele Sachen in der Schule ganz anders gelernt. Schreibe ich so, wie ich es gelernt habe, heißt es plötzlich, das sei falsch“, erklärt die 22-Jährige. Eines steht für sie als Buchhändlerin aber fest: Ohne Duden kommen viele nicht zurecht. „Vor allem in der Schule wird der Duden benötigt, um die Rechtschreibung zu überprüfen. Er ist seit Jahren eines unserer bestverkauften Bücher“, sagt Josefine Wendt.

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