Donnerstag, 6. Juni 2013

LOKALGESCHEHEN

Alternative für Gefangene

Jacqueline Hofmann bietet jungen Straftäter ein Heim in ihrer eigenen Familie. Foto: privat

von unserer Volontärin Kristin Engel

Torgau (TZ). Clara Groß, Doris Krieg, Eunike Zobel, Jacqueline Hofmann und Sonja Brogiato sind die diesjährigen Kandidatinnen für den Titel „Katharina-Botschafterinnen“.

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Torgau (TZ). Clara Groß, Doris Krieg, Eunike Zobel, Jacqueline Hofmann und Sonja Brogiato sind die diesjährigen Kandidatinnen für den Titel „Katharina-Botschafterinnen“. Die TZ stellt alle kurz vor. Bereits zum dritten Mal wird der Katharina-von-Bora-Preis von der Stadt Torgau verliehen. Um diesen Preis zu erhalten, wurden fünf Frauen vorgeschlagen, die in ihrem Leben herausragendes weibliches Engagement leisten. Zum Katharina-Tag am 29. Juni erhält eine von ihnen den Hauptpreis und wird als Katharina-Botschafterin prämiert. Die TZ stellt heute die Kandidatinnen Jacqueline Hofmann und Sonja Brogiato einmal genauer vor.

Jacqueline Hofmann ist 31 Jahre, Sozialpädagogin, Mutter von drei Kindern und leitet gemeinsam mit ihrem Mann eine Wohngemeinschaft im Seehaus Leonberg, in der sie mit ihrer Familie mit bis zu sieben jungen männlichen Straftätern zusammen lebt. „Mir ist es wichtig, meinen Beitrag in der Gesellschaft zu leisten und nicht nur über Probleme zu reden. Im Seehaus kann ich die mir gegebenen Gaben und Fähigkeiten einsetzen und fühle mich am richtigen Platz. Als Familie begleiten wir die Jugendlichen ein Stück ihres Lebens und wollen einen Raum schaffen, in welchem sie sich verändern können. Durch das Zusammenleben mit ihren „großen Brüdern“ können auch unsere Kinder lernen, wie wichtig soziales Engagement ist“, erklärt sie. Seehaus e.V. ist ein gemeinnütziger Verein und betreibt im Seehaus Leonberg seit 2003 ein innovatives Erziehungs- und Bildungsprogramm für straffällige Jugendliche als Alternative zum Gefängnis.

Die Arbeit basiert auf dem Engagement vieler Ehrenamtlicher und auch zahlreicher Spender und Sponsoren. Jugendliche zwischen 14 und 23 Jahren, die zu einer Jugendstrafe ohne Bewährung von mindestens einem Jahr verurteilt sind und bereit sind, an sich zu arbeiten, können bei einer erfolgreichen Bewerbung aus einem Jugendgefängnis ihre komplette Haftstrafe in einer Familie im Seehaus Leonberg verbringen – abseits der negativen Einflüsse des Strafvollzugs. Ziel ist, dass die Jugendlichen vorbereitet und befähigt werden, ein eigenverantwortliches Leben ohne Straftaten zu führen und sich positiv in die Gesellschaft einzubringen. Die Jugendlichen, die Jacqueline Hofmann in ihre Familie aufnimmt, sind alle mehrfach straffällig geworden oder sogenannte Intensivtäter.

Die dreifache Mutter lebt und gestaltet ihren Tagesablauf gemeinsam mit den Jugendlichen und ihrer eigenen Familie. Sie unterstützt die Jugendlichen bei der Berufsfindung, beim Bewerben, bei den Hausaufgaben. Die Freizeit wird gemeinsam gestaltet und verbracht. „Wir fühlen uns beschenkt, dass wir die Jugendlichen einen Teil ihres Lebens begleiten und prägen dürfen und sie für eine Zeit lang Teil unserer Familie werden. Wir leben ein sehr intensives und spannendes Leben. Kein Tag ist wie der andere. Immer ist irgendetwas los“, so die Sozialpädagogin. Der 1991 gegründete Flüchtlingsrat Leipzig e. V. ist ein Zusammenschluss von Menschen, die sich privat und zum Teil auch beruflich für Flüchtlinge engagieren. Im Mittelpunkt seiner Arbeit steht die Verbesserung der Lebensbedingungen von Flüchtlingen in der Region Leipzig. Dies geschieht unter anderem durch Beratungs- und Orientierungshilfen für das Leben von Flüchtlingen in Deutschland. Seit Februar 2004 bietet der Flüchtlingsrat Förderunterricht für junge Flüchtlinge an.

Das mehrfach ausgezeichnete Projekt „Integration durch Bildung“ richtet sich besonders an junge Migranten und Migrantinnen, die aufgrund ihres Alters und ihrer fehlenden Schulbildung in keine Regelschule mehr integriert werden können. „Als eine von zwei Sprecherinnen des Flüchtlingsrats Leipzig e.V. ist es meine zentrale Aufgabe, vor allem Asylbewerber und Flüchtlinge, die durch das soziale Netz gefallen sind, zu beraten und den Kontakt zur Ausländerbehörde, dem Sozialamt, Wohlfahrtsverbänden und Migrantenorganisationen zu halten“, erklärt die 52-jährige Kandidatin für den Titel „Katharina-Botschafterin“ Sonja Brogiato. „Es geht darum, Hilfe zur Selbsthilfe zu leisten und der Bildung von Parallelgesellschaften entgegenzuwirken. Vor acht Jahren habe ich damit begonnen, ein Unterrichtsmodell für Schülerinnen und Schüler zu entwickeln und umzusetzen, die aus verschiedenen Gründen in keine Regelschule integriert werden konnten. Durch die unterrichtsbegleitende Förderung konnten bereits viele Schüler erfolgreich an Abendschulen ihren Haupt- und Realschulabschluss oder ihr Abitur machen.“ Sonja Brogiato betreibt diese Arbeit mit viel Engagement und erzielte in den neun Jahren zusammen mit ihren Mitstreitern vorwiegend durch ehrenamtliches Arbeiten große Erfolge. Kraft gibt ihr das Gefühl, etwas wirklich Sinnvolles zu tun.

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