Montag, 17. Mai 2021
Freitag, 27. September 2013

LOKALGESCHEHEN

Jugend erforscht DDR-Alltag

Tom Sello (2. v. l.) stellte in der Gedenkstätte Jugendwerkhof die Ausstellung „Jugendopposition in der DDR“ vor. Foto: TZ/C. Wendt

von unserem Redakteur Christian Wendt

Torgau (TZ). Mit einem flammenden Appell entließ Prof. Dr. Rainer Eckert von der Universität Leipzig seine jungen Zuhörer: Natürlich brauche man auch heute noch Jugendliche, die sich engagieren, die auch mal Nein sagen.

Facebook Twitter WhatsApp Mail Drucken
Torgau (TZ). Mit einem flammenden Appell entließ Prof. Dr. Rainer Eckert von der Universität Leipzig seine jungen Zuhörer: Natürlich brauche man auch heute noch Jugendliche, die sich engagieren, die auch mal Nein sagen. Mit der Einführungsvorlesung des Direktors des Zeitgeschichtlichen Forums Leipzig über „Jugendliche in der DDR zwischen Eigensinn und Disziplinierung“ begann gestern Vormittag der praktische Teil des zweiten sächsischen Geschichtscamps. Ausrichter ist die Gedenkstätte Jugendwerkhof Torgau.

25 geschichtsbegeisterte Schüler aus dem Freistaat, dazu noch eine Schülerin aus Baden-Württemberg, waren nach dem gut zweistündigen Vortrag Eckerts begeistert – was vor allem daran lag, dass der Vortragende aus seinem reichen Erfahrungsschatz schöpfen konnte. Biermann-Ausbürgerung, Staatssicherheit, 17. Juni oder beispielsweise auch die Selbstverbrennung des Zeitzer Pfarrers Oskar Brüsewitz – Eckert schilderte anschaulich Missstände eines Systems, das geradezu nach Opposition schrie und in dem Widerstandsgruppen immer aktiver wurden. Er selbst lebte ständig im Fokus der Staatssicherheit. Drei Jahre Zuchthaus drohten wegen angeblicher Spionage. Doch Eckert blieb stur. Eine Zusammenarbeit mit dem MfS als „Wiedergutmachung“ lehnte er ab – sogar schriftlich! Ein Umstand, den es offensichtlich nicht allzu oft gab.

Eckert schien vor allem bei der sich anschließenden Fragerunde genau jenen Tonfall zu finden, mit dem er die Jugendlichen vom Rednerpult aus fesseln konnte. Geschichtsunterricht, der begeisterte. Gerne auch von der eigentlichen Frage abschweifend, noch mehr interessante Details aus seinem konfliktreichen Leben präsentierend, um sich dann wieder der Kernthematik zu widmen. Selbst vor Anekdoten machte er nicht halt, so zum Beispiel jene über das Schwert, das fast auf den Tag genau vor dreißig Jahren auf dem Wittenberger Lutherhof vor 2000 enthusiastischen Zuschauern von Kunstschmied Stefan Nau zu einer Pflugschar umgestaltet wurde.

So habe sich Friedrich Schorlemmer immer geziert, jenes Stück Zeitgeschichte, das jahrelang in dessen Büro hing, dem Zeitgeschichtlichen Forum zu überlassen. Nur unter großer Mühe sei es gelungen, die Pflugschar nach Leipzig zu holen. Für den Samstag ist Eckert nun zu einem Vortrag nach Wittenberg eingeladen. Was sich nicht in seinem Reisegepäck befinden wird, ist eben jene Pflugschar. „Ich habe echt Bammel davor, dass der Schorlemmer das Ding dann nicht wieder rausrückt“, entlockte er den Schülern ein Lächeln.

Im Anschluss daran ging’s für die Camp-Teilnehmer eine Etage nach oben. Dort präsentierte Tom Sello die Ausstellung der Robert-Havemann-Gesellschaft „Jugendopposition in der DDR“. Allein beim Präsentieren blieb es nicht: So wurde den  Schülern der neunten bis 13. Jahrgangsstufe auch die Möglichkeit offeriert, einen Wahlzettel zur Wahl der einstigen DDR-Volkskammer auszufüllen. Doch das barg größere Schwierigkeiten, als manch einer vermutete. „Wo sollen wir denn hier etwas ankreuzen“, fragten die Schüler verdutzt. Eine berechtigte Frage, denn Kreuze waren auf den Scheinen nicht vorgesehen. Im Grunde genommen blieb nur die Möglichkeit der Einflussnahme, indem Namen von der äußerst umfangreichen Liste gestrichen wurden.

Doch wer machte das damals schon? So stand die Zusammensetzung der Volkskammer bereits vor der Wahl schon fest. Nicht nur für Nathalie ein Umstand, der zum Nachdenken anregte. Die 18-Jährige ist eine „Exotin“ in der Runde. Ihre Heimatschule liegt nämlich in der Nähe von Karlsruhe. Dass sie dennoch an dem sächsischen Geschichtscamp in Torgau teilnehmen konnte, habe an der Unterstützung seitens ihrer Klassenleiterin sowie einer begeisternden Schulleitung gelegen, freute sich die junge Frau. Noch bis zum morgigen Samstag dauert das Geschichtscamp. Am Vormittag werden dann die Ergebnisse aus insgesamt fünf Workshops präsentiert.

Anne ( 17 Jahre, Grimma): Ich freue mich, dass es in diesem Jahr wieder mit dem Geschichtscamp klappte, nachdem ich bereits im vergangenen Jahr beim Camp-Auftakt in Freiberg dabei sein konnte. Mein erster Eindruck ist prima. In Torgau scheint die Umsetzung allerdings deutlich interessanter gestaltet zu sein.

Juliane (16 Jahre, Dresden): Der Eckert-Vortrag war sehr anschaulich. Hier ist man direkt am Thema dran.

Mona (16 Jahre, Grimma): Ich freue mich riesig über die Teilnahme am Workshop „Der Schulkonflikt um eine Wandzeitung an der Ossietzky-Schule Berlin“.

Johanna (15 Jahre, Belgershain): Ich bereite eine Facharbeit zum Thema Opposition in der DDR vor. Das Camp kommt mir da gerade recht.

Das könnte Sie auch interessieren

DER MAZDA CX-3

Mountainbikemagazin

 
KLIMA UND ENERGIE
27.05.2021, 10:30 - 11:30
Künstliche Intelligenz in der Produktion
02.06.2021, 15:00 - 16:00
Das digitale Büro - Ersetzendes Scannen
04.06.2021, 13:00 - 14:00
Gründerabend
10.06.2021, 16:00 - 18:00
Neue Absatzchancen in Österreich
22.06.2021, 09:30 - 12:30
Kunststoff trifft Medizintechnik
23.06.2021 - 24.06.2021
Webinar: Der GmbH-Geschäftsführer
30.06.2021, 16:00 - 18:00
Webinar: Der GmbH-Geschäftsführer
02.07.2021, 16:00 - 18:00

Weitere Veranstaltungen unter:
www.leipzig.ihk.de