Mittwoch, 6. Juli 2022
Mittwoch, 29. Januar 2014

LOKALGESCHEHEN

DIZ auf geschichtlicher Schnipseljagd

Das Interesse am Vortrag von Wolfgang Oleschinski (r.) war so groß, dass noch zusätzliche Stühle benötigt wurden. Foto: TZ/C. Wendt

von unserem Redakteur Christian Wendt

Torgau (TZ). Mit diesem Besucherinteresse hatte man beim DIZ am Montagabend nicht gerechnet: Flugs mussten noch etliche Stühle herbeigeschafft werden, damit auch jeder der 60 Zuhörer im Heinrich-Schütz-Saal des Schlosses einen Sitzplatz bekam.

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Torgau (TZ). Mit diesem Besucherinteresse hatte man beim DIZ am Montagabend nicht gerechnet: Flugs mussten noch etliche Stühle herbeigeschafft werden, damit auch jeder der 60 Zuhörer im Heinrich-Schütz-Saal des Schlosses einen Sitzplatz bekam. Anlässlich des Gedenktags für die Opfer des Nationalsozialismus hatte sich das Dokumentations- und Informationszentrum den beiden ehemaligen „Polenstammlagern“ bei der WASAG Elsnig und bei der Muna Süptitz gewidmet. DIZ-Leiter Wolfgang Oleschinski machte schnell deutlich, dass die Quellenlage sehr schwierig sei. Aus der bruchstückhaften Überlieferung fügte er einen etwa einstündigen Vortrag zusammen, dem unter anderem Vertreter des Polnischen Instituts Leipzig sowie des polnischen Honorarkonsulats Leipzig beiwohnten.

Zuvor hatten Torgaus Oberbürgermeisterin Andrea Staude und Siegfried Reiprich, Geschäftsführer der Stiftung Sächsische Gedenkstätten, Grußworte an die vielen Gäste gerichtet. Beide mahnten, das Erinnern nicht zu vergessen. Das Gedenken an die Gräueltaten der Nazis dürfe nicht nur verpflichtendes Ritual sein. Vielmehr sei es stete Mahnung an alle, wachsam zu sein, damit sich die Genesis der Diktatur nicht wiederhole. Die Torgauer Zeitung hatte bereits darüber berichtet, dass DIZ-Chef Wolfgang Oleschinski im vergangenen Spätsommer aus Polen eine Anfrage erhielt, ob er für ein dortiges Schulprojekt nicht ein wenig Erde vom Sterbeort eines außerhalb Polens Gefallenen beschaffen könnte. Damit sollte symbolisch eine Urne gefüllt werden. Problem: Es waren nur der Name, das Geburtsdatum und der Zusatz „gestorben in einem Lager bei Torgau“ vermerkt. Recherchen führten zu Günther Zöllner vom Dommitzscher Geschichtsverein. Dieser verfügte über eine Liste mit Namen, auf denen auch der Gesuchte zu finden war. Der Grundstein für weitere Nachforschungen war also gelegt. Jetzt musste nur noch die genaue Position des ehemaligen Lagergeländes bestimmt werden. Auch dies gelang mit Zöllners Hilfe, eine Handvoll Erde konnte übersandt werden.

Aber über jenen Polen weiß man selbst in der Heimat nicht allzu viel: Der im Polenstammlager Elsnig am 24. November 1942 verstorbene Zygmunt Sadura wurde am 8. Juli 1942 auf der Grundlage des sogenannten „Heimtückegesetzes“ (genau: „Gesetz gegen heimtückische Angriffe auf Staat und Partei und zum Schutz der Parteiuniformen“) zu zehn Monaten Straflager verurteilt. Er hatte ein Techtelmechtel mit einer Deutschen. Schon das war einem Polen verboten. Zu einem Treffen mit ihr zog er eine deutsche Uniform an, vermutlich eine der Hitlerjugend. Er starb laut Meldung im Sterberegister des Standesamtes Dommitzsch an „Kreislaufschwäche, Herztod“ im Alter von 18 Jahren. Der eigentliche Grund war sicherlich die harte Arbeit (über die man im Falle Saduras bisher nichts Näheres weiß) und die mangelhafte Ernährung im Polenstammlager. Wojciech Wieckowski, der Leiter des Polnischen Institus Leipzig, lobte am Ende der Veranstaltung, dass man sich im DIZ überhaupt des Themas angenommen habe. Vieles gelte es noch zu erforschen, allein das Geld fehle, um Akten zu erschließen und aufzuarbeiten.

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