Mittwoch, 6. Mai 2015

LOKALGESCHEHEN

Lebendiges Einheitsdenkmal eingeweiht

Neben einer Waldkiefer (Foto) wurden gestern eine Traubeneiche sowie eine Rotbuche gepflanzt.Foto: TZ/Th. Manthey

von unserer Redakteurin Eileen Jack

Torgau. Als erste Stadt im Freistaat Sachsen schuf Torgau ein lebendes Denkmal zur Erinnerung an die Deutsche Einheit und beteiligte sich somit aktiv an der Initiative „Einheitliches Wiedervereinigungsdenkmal“ unter der Schirmherrschaft der Bundeskanzlerin Angela Merkel.

Facebook Twitter WhatsApp Mail Drucken
Torgau. Als erste Stadt im Freistaat Sachsen schuf Torgau ein lebendes Denkmal zur Erinnerung an die Deutsche Einheit und beteiligte sich somit aktiv an der Initiative „Einheitliches Wiedervereinigungsdenkmal“ unter der Schirmherrschaft der Bundeskanzlerin Angela Merkel. Für dieses Denkmal wurden auf dem Bahnhofsvorplatz drei Bäume gepflanzt – eine Rotbuche, eine Waldkiefer und eine Traubeneiche. Letztgenannter Baum, war 2014 Baum des Jahres, und steht für das Zusammenwachsen Deutschlands seit der Deutschen Einheit. Die Rotbuche symbolisiert den Westen, die Waldkiefer den Osten Deutschlands. Das Wachsen der Bäume soll dokumentieren, wie auch Deutschland immer enger zusammenwächst. In einem feierlichen Akt wurde diese Pflanzung gestern Nachmittag durch die Oberbürgermeisterin Andrea Staude, Landrat Michael Czupalla und Dr. Martin Kuhrau von der Sächsischen Staatskanzlei, Prof. Dr. Rainer Eckardt, Direktor vom zeitgeschichtlichen Forum Leipzig, auf dem Bahnhofsvorplatz und im Beisein von Vertretern der Torgauer Fraktionen sowie einzelner Interessierter offiziell vollzogen. Der Termin am gestrigen Tag – 6. Mai – wurde bewusst ausgewählt. Denn: Vor 25 Jahren gab es die ersten freien Kommunalwahlen im Osten Deutschlands.

Im Anschluss an die Einweihung des lebendigen Einheitsdenkmals, so die offizielle Bezeichnung, eröffnet man gemeinsam mit Mitarbeitern der Gedenkstätte Geschlossener Jugendwerkhof Torgau die erste Ausstellung über die Ereignisse im Herbst 1989 in Torgau bis zur ersten freien Kommunalwahl am 6. Mai 1990. Diese trägt den Titel „Sie schufen sich ihre eigene Opposition – Die Friedliche Revolution in Torgau“ (Zitat von Mitbegründerin des Neuen Forums in Torgau – Bettina Klein/heute Mitarbeiterin der Stadtverwaltung Torgau).
Die 12 Schautafeln wurde von Klinge & Wagner Leipzig gestaltet. Die Grundlage bilden Fotos des Torgauer Fotografen-Ehepaares Erdmute und Manfred (†) Bräunlich, die zahlreiche Fotografien vom Herbst 1989 sowie den frühen 1990er-Jahren anfertigten und damit für eine unermesslich wertvolle Dokumentation schufen – Fotos für die Nachwelt.

25 Jahre nach dieser vielerorts zumeist friedlichen Revolution wird deutlich, dass bislang insbesondere nur die Aktionen in Großstädten wie Leipzig, Berlin oder Dresden im Fokus der historischen Aufarbeitung standen. Aber auch Kleinstädte wie etwa Plauen und Torgau spielten bei der Bürgerbewegung eine große Rolle. So prägen vor allem die „Macht der Kerzen“ und die Montagsdemonstrationen in Leipzig das kollektive Gedächtnis zur Friedlichen Revolution. Ihr flächendeckender Charakter findet dagegen immer noch kaum Beachtung. Die Gedenkstätte Geschlossener Jugendwerkhof Torgau möchte nun 25 Jahre nach den Ereignissen vom Herbst 1989 dazu beitragen, das vorhandene Aufarbeitungsdefizit am Beispiel des sächsischen Kleinstadt Torgau abzubauen.

Erstmals dokumentiert deshalb eine Ausstellung und Publikation neben den Aktionen und Ereignissen im Herbst ´89 auch eine Besonderheit in Torgau – die Initiativen und die Arbeit oppositioneller Gruppen, die bereits weit vor 1989 begannen. Zudem werden bisher unveröffentlichte Fotos der Torgauer Fotografen Manfred (†) und Erdmute Bräunlich gezeigt und die Situation im Geschlossenen Jugendwerkhof Torgau im Herbst ‘89 beleuchtet. Zudem erfahren die Torgauer Protagonisten der friedlichen Revolution mit der Ausstellung und Publikation eine erste öffentliche Würdigung und Anerkennung. Etliche Mitglieder des damaligen Neuen Forums und Vorreiter für eine Friedliche Revolution und Veränderungen in der DDR, wie Dr. Christian Sachse, Matthias Grimm-Over, Dr. Jochen Müller, Dr. Hans-Martin Strohbach oder Heinz Galle waren gestern bei der Ausstellungseröffnung anwesend. In einem emotionalen Redebeitrag erinnerte der heutige Stadtrat Matthias Grimm-Over an die Ereignisse im Herbst und Winter 1989, wofür er viel Applaus erhielt. Aber er appellierte auch, dass die Deutschen wieder mehr zusammenrücken und sich wieder mehr aktiv einbringen sollen und müssen.

Die Ausstellung ist noch bis zum 12. Juni im Torgauer Rathaus (1. Etage) zu sehen und wird dann kommunalen Bildungseinrichtungen im Landkreis Nordsachsen zu Bildungszwecken zur Verfügung gestellt.ej/tom

Sie interessieren sich für das Neueste aus Torgau und der Region? Dann bestellen Sie den Newsletter "Darüber wird morgen gesprochen"! Der kommt jeden Abend per E-Mail und bringt die wichtigsten Themen des nächsten Tages mit. >> Hier können Sie ihn bestellen.


Jetzt kostenlos anmelden

Das könnte Sie auch interessieren

Wir-packens-an

epaper

 

Weitere Veranstaltungen unter:
www.leipzig.ihk.de
 

Aktuelle Bildergalerien


Wirtschaftsmagazin

Abenteuer Tiefschnee

AKTIONEN

Newsletter

Festtagsmagazins

Torgau-Plus

Riesenmagazin

Oschatz-Magazin

Azubi-Expo-Digital

INFOS & EMPFEHLUNGEN

laga