Donnerstag, 16. Juli 2020
Donnerstag, 17. Februar 2011

LOKALGESCHEHEN

Gedenkstätte Jugendwerkhof ausgezeichnet

Gedenkstätten-Projektleiterin Franziska Scheffler in dem gerade erst neu gestalteten Multimedia-Raum.Foto: TZ/C. Wendt

von unserem Redakteur Christian Wendt

Torgau (TZ). Alles ist noch nigelnagelneu. Die Lampen, der lange schwarze Arbeitstisch, die ebenso schwarzen Würfel-Regale. Im farblichen Gegensatz dazu die Computer, die mit ihrem strahlenden Weiß einen farblichen Kontrast dazu bilden. In der Gedenkstätte Jugendwerkhof Torgau wurde in dieser Woche letzte Hand an den überarbeiteten Multimedia-Raum gelegt, in dem sich Besucher tiefergehende Informationen über das Leben in dem einstigen Geschlossenen Jugendwerkhof holen können.

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Torgau (TZ/cw). Alles ist noch nigelnagelneu. Die Lampen, der lange schwarze Arbeitstisch, die ebenso schwarzen Würfel-Regale. Im farblichen Gegensatz dazu die Computer, die mit ihrem strahlenden Weiß einen farblichen Kontrast dazu bilden. In der Gedenkstätte Jugendwerkhof Torgau wurde in dieser Woche letzte Hand an den überarbeiteten Multimedia-Raum gelegt, in dem sich Besucher tiefergehende Informationen über das Leben in dem einstigen Geschlossenen Jugendwerkhof holen können. So modern der Raum allerdings auch ausgestattet sein mag – einen Preis dafür wird es wohl nicht geben, auch nicht dann, wenn er für die Öffentlichkeit aller Voraussicht nach im Frühjahr zugänglich sein wird.

Dass sich die Gedenkstätte dennoch eine weitere Auszeichnung auf ihre Vita schreiben lassen kann, liegt an einer Entscheidung des „Bündnis für Demokratie und Toleranz – gegen Extremismus und Gewalt“ (BfDT). Die Torgauer Einrichtung gehört nach Angabe von Josephine Steffen nämlich zu insgesamt sieben sächsischen Preisträgern im Wettbewerb „Aktiv für Demokratie und Toleranz“ 2010. Bundesweit wurde ein Jahr zuvor 80 Projekten jene Ehrung zuteil. „Seit mehr als zehn Jahren leisten die Torgauer regional, landes- und bundesweit engagierte Arbeit im Sinne der Aufarbeitung der SED-Diktatur und erfüllen exakt die Kriterien des Wettbewerbs“, erläutert Steffen die Gründe der Preisvergabe.
„Ein extremer Glücksfall für uns“, freut sich Franziska Scheffler. Die Projektleiterin der Gedenkstätte Jugendwerkhof glaubt, dass sich dadurch tolle Möglichkeiten bieten, die man einfach nutzen müsse. 

Das dürfte mit Sicherheit auch Schüler in Baden-Württemberg interessieren. Baden-Württemberg? Und ob! Die Buchautorin Grit Poppe hat mit „Weggesperrt“ einen Roman über die Willkür und Gewalt im Jugendwerkhof geschrieben. Sie selbst war in der Bürgerrechtsbewegung der ehemaligen DDR engagiert und erhielt im vergangenen Jahr den Gustav-Heinemann-Friedenspreis für Kinder- und Jugendbücher. Mit jenem Friedenspreis werden Werke ausgezeichnet, die Kinder und Jugendliche ermutigen, sich für Zivilcourage und Toleranz, für Menschenrechte und für gewaltfreie Formen der Konfliktlösung einzusetzen. „Weggesperrt“ zählt jedenfalls in diesem Schuljahr zur Prüfungslektüre von zehnten Realschulklassen in dem südlichen Bundesland. Und genau dort werden Franziska Scheffler und Heidemarie Puls vom Opferbeirat am 4. März Station machen. Genau gesagt in Bammental bei Heidelberg. Eine Lehrerin war dort wegen der Prüfungslektüre auf die Gedenkstätte aufmerksam geworden. Franziska Scheffler wird dabei einen Vortrag über das System der DDR-Jugendhilfe und über die Gedenkstätte halten. Heidemarie Puls liest aus ihrem Buch „Schattenkinder hinter Torgauer Mauern“. Gleichzeitig wird sie sich als Zeitzeugin den Fragen der Schüler stellen.

Auch Gabriele Beyler, der Vorsitzenden des Trägervereins der Gedenkstätte, ist die Freude über die neuerliche Auszeichnung ins Gesicht geschrieben. Gerade nach dem vergangenen Jahr, das durch die Diskussion über sexuelle Missbrauchsfälle an Kindern und Jugendlichen in Heimen sehr turbulent gewesen sei, habe man sich über jene Nachricht riesig gefreut, sagte Beyler. Die Auszeichnung mache sehr stolz und belohne in gewisser Weise auch für die Mühe und das Engagement, das gerade 2010 notwendig gewesen sei. „Wenn man bedenkt, dass wir im Dezember 2009 in Brüssel mit dem ,Golden Stars of Active European Citizenship‘ der Europäischen Union als einziges deutsches Projekt ausgezeichnet wurden und ein Jahr später den Preis ,Aktiv für Demokratie und Toleranz‘ erhalten, dann hebt dies zugleich die Bedeutung der Gedenkstätte und des Themas DDR-Heimerziehung hervor“, sagte Beyler.
Das Preisgeld in Höhe von 5000 Euro soll nach Angabe von Gabriele Beyler unter anderem für die Sanierung des Dunkelzellentrakts, dem letzten authentischen Ort des einstigen Geschlossenen Jugendwerkhofs Verwendung finden. Übrigens: Wo die Preisverleihung sein wird, konnte Josephine Steffen vom Bündnis für Demokratie und Toleranz noch nicht sagen. Auch ein Termin stehe noch nicht. Aller Wahrscheinlichkeit nach solle es im Frühjahr so weit sein.

Infos unter: www.buendnis-toleranz.de

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