Freitag, 22. Oktober 2021
Dienstag, 28. Juni 2011

LOKALGESCHEHEN

Die Gewalt wohnte dem System inne

Ausstellungsbauer Gottfried Knodt vor einer der schweren Info-Tafeln. Foto: DIZ

von unserem Redakteur Christian Wendt

Torgau (TZ). Der Akku-Schrauber surrt unentwegt. In den Regalmetern herrscht noch gähnende Leere. An der Wand lehnen 90 Kilogramm schwere Info-Tafeln, davor stehen Kartons voller Ausstellungsexponate.

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Torgau (TZ). Der Akku-Schrauber surrt unentwegt. In den Regalmetern herrscht noch gähnende Leere. An der Wand lehnen 90 Kilogramm schwere Info-Tafeln, davor stehen Kartons voller Ausstellungsexponate. Im Dokumentations- und Informationszentrum (DIZ) Torgau waren Gottfried Knodt und sein Team am vergangenen Freitag noch emsig damit beschäftigt, die neue Wanderausstellung „Gewalt hinter Gittern. Gefangenenmisshandlungen in der DDR“ aufzubauen. Heute Abend nun wird diese eröffnet. Cornelia Liebold von der Gedenkstätte Bautzen spricht ab 19 Uhr über Einzelheiten, die jenem Gemeinschaftswerk der beiden Gedenkstätten in Bautzen und Berlin-Hohenschönhausen zugrunde liegen. Liebold arbeitet im Bautzener Zeitzeugenbüro. Für die Konzeption zeichnet sie mitverantwortlich.

Liebold freut sich auf den heutigen Abend. Bietet doch auch Torgau gute Möglichkeiten, eine breite Öffentlichkeit für das dunkle Thema zu sensibilisieren. Nicht zuletzt der Geschichte des einstigen Geschlossenen Jugendwerkhofs wegen. Dass diese der Volksbildung der DDR unterstellte Einrichtung innerhalb der Ausstellung mit Gefängnissen auf die gleiche Stufe gehoben wird, könnte aufmerksame Besucher allerdings stutzig machen. Doch Liebold verteidigt die Entscheidung, auch den Jugendwerkhof einzubeziehen. Schließlich hätten dort Zustände geherrscht, die mit Gefängnissen gleichzusetzen waren, wenn nicht gar schlimmer.

Die Ausstellung soll Besucher darüber aufklären, dass die Gewalt in den Gefängnissen der DDR systemimmanent war und unterschiedlichste Ausprägungen vorzuweisen hatte. Offiziell zwar verboten, gehörte sie zum Alltag in den Strafeinrichtungen. Sie wurde von oben geduldet. Nicht einen Hinweis habe man nach Angabe Cornelia Liebolds gefunden, dass Vorgesetzte dagegen eingeschritten wären. Demzufolge habe es zu DDR-Zeiten auch keinerlei Verfahren gegeben.
Und auch die Wende veränderte nicht viel an diesem Bild. „Man kann die Gerichtsfälle trotz Anzeigen im Tausenderbereich an einer Hand abzählen“, sagt Liebold. Unter anderem sei ein Erzieher und Vollzugsdienstleister aus der Strafvollzugseinrichtung Bautzen II wegen nachgewiesener Körperverletzung zu zwei Jahren Freiheitsentzug auf Bewährung verurteilt worden.
Was die juristische Aufarbeitung so schwierig mache, sei die Beweisführung, erläutert Liebold. Aussage stünde gegen Aussage, was am Ende meist für den Angeklagten spräche. Zudem sei es schwierig, im Nachhinein Namen den einstigen Vollzugsbeamten zuzuordnen, weil diese nur mit Dienstgraden angeredet wurden, übrigens auch von Arbeitskollegen. „Mitunter können Vernehmer aber über die Auswertung von Stasi-Protokollen ausfindig gemacht werden. Möglicherweise erlaubten auch Haftakten Rückschlüsse auf die Namen der Peiniger.“ Doch Liebold weiß, dass allein damit noch längst kein Prozess gewonnen wird.

Die Ausstellung über den bisher kaum aufgearbeiteten Bereich des Haftalltags in der ehemaligen DDR wendet sich speziell auch an Schüler und Jugendliche. Ihnen wird anhand der Geschichten von zehn zum Teil jugendlichen Opfern die gewaltsame Unterdrückung von persönlicher Freiheit nahe gebracht. Ihnen werden allerdings auch Probleme des demokratischen Rechtsstaats bei der Aufarbeitung der Problematik erläutert.
„Wir wollen Geschichte lebendig erhalten“, begründet Cornelia Liebold den Antrieb der Ausstellungsmacher. Der Ausstellungsraum, mit dem dies geschafft werden soll, erinnert dabei an ein Archiv – ein Archiv, das geschlossen ein Gefängnis für die Geschichten und persönlichen Schicksale ist; allerdings geöffnet werden kann. Der Besucher könne über das Raumbild eines „Rollarchivs“ selbst die Geschichte wieder „aufrollen“.
Die Ausstellung wird bis zum 4. September gezeigt und ist täglich von 10 bis 18 Uhr geöffnet. Der Eintritt ist frei.

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