Sonntag, 27. November 2022
Dienstag, 3. April 2012

LOKALGESCHEHEN

Brunnen lässt Forscher hoffen

Olaf Ullrich, der örtliche Leiter der Grabungsstätte in Staritz, zeigt, woran man erkennen kann, dass sich dort einst ein Brunnen befunden hat. Dieser wurde mit Sand aufgefüllt. Foto: TZ/Kraut

von unserer Redakteurin Denise Kraut

Staritz (TZ).Im Auftrag des Lieberseer Kieswerkes werden derzeit Grabungen in Staritz durch das Landesamt für Archäologier durchgeführt. Dabei fanden die Wissenschaftler schon mehr als 100 Gruben, zahlreiche Scherben und wahrscheinlich auch einen Brunnen – ein besonderer Fund in dieser Gegend.

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Staritz (TZ). In Staritz wurden jetzt Stücke gefunden, die darauf schließen lassen, dass es dort, etwa zu der Zeit 1000 vor Christus, eine Siedlung gegeben hat. „Erstmal nichts Besonderes aus der Sicht des Landesamtes für Archäologie, denn solche Siedlungen finden wir in der Region des Öfteren“, so Dr. Wolfgang Ender, der Referatsleiter des Direktionsbezirks Dresden des Landesamtes. Ungewöhnlich ist jedoch der Fundort, denn dieser befindet sich direkt in einem Hochwassergebiet. „Hier stellt sich für uns die Frage, ob die klimatischen Verhältnisse zu dieser Zeit anders waren“, erklärt Dr. Ender die Besonderheit dieses Fundes. Genau das soll unter anderem untersucht werden. Helfen können dabei Baumstämme, die in der Erde gefunden wurden. Ender bezeichnet sie als subfossil. Sie zeigen den Archäologen die Wetterverhältnisse zu der Zeit, zu der sie noch gestanden haben. „Hier haben wir schon einige dieser Stücke gefunden. Wir entnehmen Proben und untersuchen diese schließlich in Laboren. Die Elbe stand damals anders und die 20 Stämme, die wir bereits gefunden haben, geben uns Aufschluss über solche Dinge“, erklärt der Referatsleiter. Auch die Untersuchung des Lehms gibt den Wissenschaftlern viele Informationen. So konnte dadurch beispielsweise bestimmt werden, wann diese Siedlung stand.

Die Archäologen hätten nicht gedacht, überhaupt etwas zu finden und nun ist die Fläche, die derzeit untersucht wird, bereits so groß, dass schon an die 100 Gruben gefunden wurden. „Das hier war wirklich ein dicht besiedeltes Areal. Ich denke, dass wir in etwa 150 dieser Gruben finden werden“, schätzt Olaf Ullrich. Er leitet die Grabungen in Staritz. Scherben, Töpfe, Tassen und Pfostenlöcher, mit denen man Umrisse von Häusern rekonstruieren kann, wurden bereits gefunden. Doch Ullrich und das relativ kleine Team in Staritz sind unlängst noch auf etwas anderes gestoßen – auf einen Brunnen. „Zumindest glauben wir das, denn nach unseren Erfahrungen deutet alles darauf hin“, so Dr. Ender. Wo manch einer lediglich ein bisschen dunkle Erde sieht, erkennen die Archäologen ganz anderes und ein Brunnen wäre wirklich ein bedeutender Fund für die Männer. Erkennen konnten das die Wissenschaftler an der Art des Bodens, denn auf einer Fläche, die einen Durchmesser von etwa 1,5 Metern hat, wurde etwas mit Sand aufgefüllt. Typisch für einen Brunnen. „Er stammt etwa aus der Zeit 600 vor Christus und wäre für uns wichtig, da viele Menschen damals sogenannte Opfertassen in die Brunnen warfen, um den Brunnen wohl zu stimmen“, so Wolfgang Ender. Solch einen Fund gab es in der Region noch nie. Wenn die Wissenschaftler Glück haben, finden sie vielleicht sogar noch den Baumstamm, der zu dieser Zeit verwendet wurde, um die Brunnen auszuhöhlen. „Ein Brunnen ist immer mit einem Geheimnis verbunden, weil die Menschen damals glaubten, den Göttern damit näher zu sein. Das ist für uns natürlich etwas Besonderes“, sagt Dr. Wolfgang Ender.

Die Grabungen in Staritz werden noch etwa bis Anfang Mai andauern. Anschließend wird es über die Funde Publikationen geben, die unter anderem in Belgern angefertigt werden. Das Landesamt für Archäologie hat sich nämlich in die ehemalige Mittelschule eingemietet und dort eine Art Stützpunkt aufgebaut. Dort werden alle Funde erst einmal gelagert, gewaschen und katalogisiert – ein besonders wichtiger Punkt, wie Dr. Ender betont – anschließend werden sie gezeichnet beziehungsweise rekonstruiert und schließlich kommen sie in die Publikation. „Zu dem großen Fund in Liebersee, bei dem wir etwa 200 Gräber gefunden haben, wird derzeit an der achten Veröffentlichung gearbeitet“, sagt Dr. Wolfgang Ender.

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