Mittwoch, 6. Juli 2022
Freitag, 12. Juli 2013

HISTORIE

Trotz gewisser Spielräume herrschten "Korsett" und Druckmittel der Partei

Rudi Beckert (Mitte) berichtete offen und selbstkritisch über seine Justizkarriere in der einstigen DDR.Foto: DIZ Torgau

Pressemitteilung

Torgau (TZ). „Glücklicher Sklave“ – Unter diesem Motto stand vor einiger Zeit ein spannender Abend im DIZ Torgau: Auf ein lebhaftes Echo stieß hierbei der Vortrag des ehemaligen Richters am Obersten Gericht der DDR Rudi Beckert, heißt es in einer Pressemitteilung seitens des DIZ Torgau.

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Torgau (TZ). „Glücklicher Sklave“ – Unter diesem Motto stand vor einiger Zeit ein spannender Abend im DIZ Torgau: Auf ein lebhaftes Echo stieß hierbei der Vortrag des ehemaligen Richters am Obersten Gericht der DDR Rudi Beckert, heißt es in einer Pressemitteilung seitens des DIZ Torgau. Rund 50 Interessierte besuchten die Veranstaltung am 28. Mai, die in Kooperation mit dem Berliner Landesbeauftragten für die Stasi-Unterlagen stattfand. Die Moderation hatte der Jurist und Historiker Dr. Klaus Bästlein (LStU Berlin). Beckert, geboren 1932 in Leipzig, berichtete offen und selbstkritisch über seine Justizkarriere in der DDR. Bereits mit 27 Jahren wurde er Direktor des Kreisgerichts Torgau. An seine Tätigkeit in Torgau hatte Beckert allerdings keine besonders guten Erinnerungen.

1960 stand er hier kurz vor dem Parteiausschluss, weil Gericht und Staatsanwaltschaft bei der Demonstration am 1. Mai ohne rote Fahne marschiert waren. Doch Beckert erhielt „nur“ eine strenge Rüge. Als Jurist verhielt er sich stets konform und machte eine steile Karriere. 1963 wechselte er an das Kreisgericht Frankfurt (Oder), 1966 wurde er Oberrichter am dortigen Bezirksgericht, 1972 am Obersten Gericht der DDR.
In der Veranstaltung beschrieb Beckert die Zusammenarbeit der Justiz mit Partei und Staatssicherheit, die er nie infrage stellte.  Während der „Wende“ brach sein Bild vom sozialistischen Rechtsstaat zusammen.
Als Vorsitzender des Entschädigungssenats war er mit der Rehabilitierung und Entschädigung politisch Verurteilter befasst und erhielt Zugang zu Dokumenten, die bis Ende 1989 in einem Stahlschrank unter Verschluss waren.

Die Analyse der Akten des Obersten Gerichts in politischen Verfahren gegen Wolfgang Harich, Walter Janka oder Georg Dertinger führte zum Bruch mit seinen früheren Zielen und Idealen. 1995 veröffentlichte Beckert ein Buch über die Schau- und Geheimprozesse des Obersten Gerichts, 2003 eine Biografie über Max Fechner, den ersten Justizminister der DDR, der nach dem 17. Juni 1953 selbst als „gefährlicher Staatsverbrecher“ verurteilt wurde. 2011 erschienen Beckerts Lebenserinnerungen unter dem Titel „Glücklicher Sklave“. „Am schmerzlichsten war die Einsicht“, so Beckert, „dass mir meine Irrtümer und Fehler zu spät bewusst geworden sind.“

Er schilderte auch die Reaktionen früherer Kollegen, die ihn wegen seiner Auseinandersetzung mit der DDR-Justiz und mit seiner eigenen Verantwortung als ehemals linientreuer Richter heute als „Verräter“ diffamieren.
In der anschließenden, sehr regen Diskussion wurden die Spielräume deutlich, die ein DDR-Jurist durchaus hatte, aber ebenso sehr auch das Korsett und die Druckmittel der „Parteidisziplin“. Es war der offene Austausch zwischen den beiden Referenten und dem Publikum, der diese Veranstaltung des DIZ Torgau zu einem gelungenen Abend zeitgeschichtlicher Reflexion machte.

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