Mittwoch, 5. August 2020
Samstag, 28. Juni 2014

LOKALGESCHEHEN

Feuerwehrauto wurde zum Campingmobil

Henning mit Labrador-Hündin „Lise“ vor dem umgebauten Feuerwehrauto. Foto: TZ/N. Wendt

von unserem Redakteur Nico Wendt

Torgau. Er suchte ein Wohnmobil und fand eine Feuerwehr! Nun reist Henning aus Kiel eben mit einem ausrangierten Löschfahrzeug durch die Lande.

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Torgau. Er suchte ein Wohnmobil und fand eine Feuerwehr! Nun reist Henning aus Kiel eben mit einem ausrangierten Löschfahrzeug durch die Lande. Diese Woche machte der 58-Jährige in Torgau Station und sorgte mit seinem kuriosen Reisemobil natürlich für Aufsehen nicht nur bei Spaziergängern an der Elbe. Gern durfte auch die TZ einen Blick ins Innere des Wagens werfen. Tatsächlich: Wo einst Schläuche und Leitern verstaut waren, stehen jetzt ein Küchenschrank und ein selbst gebautes Bett mit Kuscheldecke. Sogar zwei Stühle fanden Platz. Es wirkt aufgeräumt und gemütlich. Wohnzimmer-Atmosphäre pur. Ein Holzbrett an der Seitenwand lässt sich nach unten klappen, im Nu wird ein Tisch daraus. Alles ist liebevoll ein- und hergerichtet. Henning, seinen Nachnamen will der Norddeutsche lieber nicht preisgeben, schmunzelt. Nein, er sei eigentlich kein eingefleischter Feuerwehrfreak. Vielmehr habe er sich aus rein praktischen Gründen für dieses Modell entschieden. Der Mercedes 508, Baujahr 1980, wurde erst im vergangenen Herbst sein Eigentum. „Ich habe den Wagen von einem Privatmann gekauft. Es handelte sich damals noch um ein intaktes Feuerwehrauto.

Vor allem die unendliche Robustheit und natürlich der Preis reizten mich. Der Motor hatte erst 46 000 Kilometer weg, das 86 PS starke Fahrzeug wirkte hervorragend gewartet. Durch die Zwillingsreifen und die Bauart kann ich auch mal über Feldwege fahren, ohne gleich stecken zu bleiben“, nennt Henning die Vorteile. Und mit 11 bis 12 Litern Diesel halte sich der Spritverbrauch auch in Grenzen. „Ich habe dann über den Winter alles ausgebaut. Das Wichtigste und aufwendigste war, den Geräuschpegel zu senken. Ich habe alles mit Schwerschicht, einem speziellen Dämmmaterial ausgekleidet, vom Fahrzeugboden bis zur Motorglocke. Anschließend ging es ans Einrichten“, beschreibt der Torgau-Gast und fügt lächelnd hinzu: „Glaubt mir keiner, dass ich mit Kauf und Umbau alles in allem nur 4000 Euro hingelegt hab. So viel bezahlen manche, um ein Wohnmobil für lediglich drei bis vier Wochen zu mieten.“ Henning liebt das langsame Reisen, ist ausschließlich auf kleineren Straßen unterwegs. Er wird dabei von Labrador „Lise“ begleitet, die auf einer Kuscheldecke auf dem Beifahrersitz Platz nehmen darf und natürlich auch angeschnallt fährt. Kühlschrank, Kochplatte, Benzinkocher, Wassertank und Handpumpe gehören mit zur Ausstattung des ungewöhnlichen Gefährts.

Von „echten“ Feuerwehren wird der 58-Jährige oft gegrüßt, es gibt ein freundliches Winken, manchmal sogar von der Polizei. Das Blaulicht ist mit Stoff verhangen, die Warnanlage musste außer Betrieb genommen werden. Ansonsten bestehen keine gesetzlichen Einschränkungen für die zivile Nutzung eines Feuerwehrautos. Am Heck ist jetzt ein Klapprad für kleinere Ausflüge befestigt, die Pumpe vorn hat Henning abmontiert und die Rolläden an der Seite eignen sich bestens, um eine überdachte Terrasse zu zaubern. So reist der Norddeutsche bequem und preiswert schon seit einer Woche immer die Elbe entlang, schaut sich große und kleine Städte an und lässt die Seele baumeln. Möglichst bis zur Mündung ins tschechische Riesengebirge soll es noch gehen. Von Torgau, das kannte er bislang überhaupt nicht, zeigte sich Henning durchweg begeistert. „Eine geschlossene Altstadt, in der man sich wohlfühlt und die nicht „kaputt restauriert“ wurde“, lautet sein Urteil. Nächstes Jahr geht es vielleicht an die Weichsel nach Polen. Dann vielleicht auch mit der Lebensgefährtin. Auf jeden Fall aber mit dem Feuerwehrauto.

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