Mittwoch, 28. Juli 2021
Sonntag, 28. Juni 2015

LOKALGESCHEHEN

Romina Barth jubelt, Andrea Staude sprachlos

von unseren Redakteuren Eileen Jack und Nico Wendt

Torgau. Es war kurz nach 18.45 Uhr, als im Lager der CDU die Jubelstürme losbrachen. Marian Wendt hatte soeben das Ergebnis aus dem letzten noch fehlenden Wahlbüro in Erfahrung gebracht. Neben ihm strahlte eine glückliche Romina Barth – die neue Torgauer Oberbürgermeisterin, wenn das Ergebnis so bestätigt wird.

Facebook Twitter WhatsApp Mail Drucken
Torgau. Es war kurz nach 18.45 Uhr, als im Lager der CDU die Jubelstürme losbrachen. Marian Wendt hatte soeben das Ergebnis aus dem letzten noch fehlenden Wahlbüro in Erfahrung gebracht. Neben ihm strahlte eine glückliche Romina Barth – die neue Torgauer Oberbürgermeisterin, wenn das Ergebnis so bestätigt wird.  Dann reckte die junge Frau in Siegerpose die Arme in die Luft, wurde von Gratulanten fast erdrückt, musste immer wieder Hände schütteln. Fast zeitgleich herrschte bedrückende Stille im Restaurant „Herr Käthe“ bei der Wahlparty der SPD rund um Kandidatin Andrea Staude. Schock, Sprachlosigkeit, Enttäuschung, machten sich breit. Mit diesem Ausgang der Wahl hatte hier niemand gerechnet, vor allem Andrea Staude nicht. Sie war gestern Abend auch noch nicht bereit, mit TZ über den Wahlausgang zu sprechen. Anders die Gewinnerin Romina Barth. „Es ist einfach unfassbar. Ich werde mehrere Tage brauchen, um alles zu verarbeiten.

Ich bin unheimlich dankbar, dass mir so viele Wähler das Vertrauen gegeben haben und mich auch hier vor Ort mit ihrer Anwesenheit unterstützt haben“, lautete ihr erstes Statement. Vorausgegangen war ein Kopf-an-Kopf-Rennen. An Spannung kaum zu überbieten. „So etwas hat Torgau seit 1990 noch nicht erlebt“, entfuhr es dem Bundestagsabgeordneten Marian Wendt schon eine Viertelstunde nach Schließung der Wahllokale. Denkbar knappe Ergebnisse kamen über Handy an und wurden im Bistro „Ricard“ auf dem Torgauer Marktplatz – hier fand die CDU-Wahlparty statt – auf eine Leinwand projiziert. 493:337 Stimmen für Romina Barth hieß beispielsweise der erste Zwischenstand, nachdem vier Wahllokale ausgezählt waren. Es blieb bei einem knappen Vorsprung für die CDU-Kandidatin. Enttäuschung mal kurz zwischendurch, als das Ergebnis aus Mehderitzsch überliefert wurde. Doch nach etwa 18 Minuten kehrte der Optimismus ins  CDU-Lager zurück. 1130:1212 Stimmen für Romina Barth – so ein weiterer Zwischenstand, den Marian Wendt stolz verkündete. Da waren acht von 17 Wahllokalen ausgezählt. Nach 37 Minuten knisterte es förmlich unter den Anwesenden. 2548:2551 Stimmen für Romina Barth lautete der jüngste Zwischenstand. Noch einmal wurden die Gesichter nachdenklich, als das Staupitzer Votum eintraf. Doch dann war das Zittern vorbei und das letzte Ergebnis endlich bekannt.

Andrea Staude (SPD) kommt mit 3847 Stimmen (49,7 Prozent) ins Ziel, Romina Barth (CDU) erreicht 3886 Stimmen (50,3 Prozent). Dieses vorläufige Ergebnis muss jetzt noch amtliche Bestätigung finden. Letztendlich nutzten nur 46,4 Prozent der wahlberechtigten Torgau ihr demokratisches Recht zu wählen. Zumindest diesbezüglich waren sich aller einig und hätten sich eine höhere Quote erhofft. Und im SPD-Lager zweifellos auch einen anderen Wahlausgang. Hier regierte ein einziges Wort: Enttäuschung. „Andrea Staude hat immer gute Arbeit geleistet. Ich kann nicht verstehen, dass sie abgewählt wurde“, erklärte ein sichtlich geschockter SPD-Kreisrat Heiko Wittig, der die Nachricht direkt vom Gemeindewahlausschuss aus dem Rathaus mit zur Wahlparty brachte. Er räumte aber auch ein, dass die SPD von diesem Wahlkampf durchaus etwas lernen könne. Enttäuscht zeigte sich auch FDP-Kreisverbandschef Stefan Schrieritz, der Andrea Staude offensiv unterstützte. „Das ist eine schlechte Wahl für Torgau“, schätzte er ein und erklärte in Richtung Romina Barth, „Jetzt muss sie abliefern“. Das fordert auch Michael Bagusat-Sehrt, Stadtverbandschef der Linken, der vor sieben Jahren selbst gegen Andrea Staude angetreten war und diesmal hinter der bisherigen Oberbürgermeisterin stand.

„Ich bin schockiert, wie man mit unhaltbaren Versprechen, eine Wahl gewinnen kann. Wir werden ihr ganz genau auf die Finger schauen und die Versprechen in sieben Jahren wieder hervor holen“, kündigte er an. Einen anderen Wahlausgang hätte sich auch Bärenpflegerin Gabriele Mierau gewünscht. „Aber ich bin ein fairer Verlierer und akzeptiere das Ergebnis. Jetzt muss sich Frau Barth beweisen“, so ihre Reaktion. Ganz anders die Stimmen aus dem CDU-Lager. „Ich wünsche meiner Tochter viel Erfolg und Kraft und hoffe, dass auch die Wähler, die nicht für sie entschieden haben, trotzdem weiterhin an der Entwicklung von Torgau aktiv mitarbeiten“, so Vater Uwe Barth. Marian Wendt zeigte sich überwältigt ob des knappen Wahlsieges: „Ich stehe noch völlig unter Adrenalin. Ich freue mich für Torgau. Wir haben eine Kandidatin, die viel für die Stadt bewegen kann. Wir sollten in diesem Augenblick aber auch Frau Staude danken für die Arbeit, die sie in den letzten 14 Jahren geleistet hat“, formulierte er.

Sie interessieren sich für das Neueste aus Torgau und der Region? Dann bestellen Sie den Newsletter "Darüber wird morgen gesprochen"! Der kommt jeden Abend per E-Mail und bringt die wichtigsten Themen des nächsten Tages mit. >> Hier können Sie ihn bestellen.


Jetzt kostenlos anmelden

Das könnte Sie auch interessieren

Mountainbikemagazin

 

Weitere Veranstaltungen unter:
www.leipzig.ihk.de