Donnerstag, 16. Juli 2020
Mittwoch, 21. Dezember 2016

NORDSACHSEN

Viel Papier, noch kein Effekt

von unserem Chefredakteur Sebastian Stöber

Nordsachsen ist mitten drin im European Energy Award. Das Programm soll dem Kreis helfen, Energiekosten zu sparen. Dass es stattdessen aber vor allem Daten und Papier produziert hat nun FDP-Kreisrat Bernd Biedermann kritisiert. Die TZ ging dieser Kritik nach.

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Torgau/Nordsachsen. So hatte sich Bernd Biedermann (FDP) das mit European Energy Award (EEA) nicht vorgestellt. „Ich bin mit dem Bericht nicht zufrieden. Es geht nicht in die Richtung, die ursprünglich hinter der Idee zur Teilnahme gesteckt hat“, kritisierte der Oschatzer Kreisrat unlängst in der letzten Sitzung des nordsächsischen Kreistags 2016.

Ziel sei es doch gewesen, die Energiekosten des Landratsamtes zu senken. „Ich hätte mir also Zahlen gewünscht, durch welche konkreten Maßnahmen und in welchem Umfang der Haushalt künftig entlastet werden kann“, sagte Bernd Biedermann. Er wünsche sich deshalb, dass die Entlastung des Haushalts nun stärker in den Fokus gerückt werde und der bisherige Aufwand sich in Einsparungen niederschlage. Biedermann war es, der die Teilnahme des Landkreises am European Energy Award angeschoben hatte, die der Kreistag schließlich am 20. März 2013 beschloss. Seither hat sich die Kreisverwaltung einem komplexen Verfahren unterworfen und eine Menge Papier produziert. Denn der EEA ist nichts weniger als ein „Qualitätsmanagementsystem und Zertifizierungsverfahren, mit dem die Energie- und Klimaschutzaktivitäten des Landkreises erfasst, bewertet, geplant, gesteuert und regelmäßig überprüft werden, um Potenziale der nachhaltigen Energiepolitik und des Klimaschutzes identifizieren und strukturiert erschließend zu können“, erklärt die Verwaltung. Um das zu stemmen, wurden in Nordsachsen ein Energieteam geschaffen und eine Beratungsfirma engagiert. Chef des Energieteams war bis zu seiner Pensionierung Hauptdezernent Horst Winkler. Nun leitet Uwe Kupfer die Gruppe, zu der unter anderem auch Bernd Biedermann, Umweltamtsleiterin Antje Brumm und die Chefin der Wirtschaftsförderung, Uta Schladitz, gehören.

In mehreren Treffen erarbeitete diese Gruppe den Energie- und klimapolitischen Status Nordsachsens. Sechs Handlungsfelder wurden dafür bewertet. Insgesamt konnte der Kreis 331 Punkte erreichen – 179 wurden es schließlich, 166 sind nötig, um den Prozess weiterführen zu können. Nachdem das Ganze nun auch von externer Seite bestätigt wurde, darf das Energieteam nun das sogenannte Energiepolitische Arbeitsprogramm (EPAP) aufstellen. Inbegriffen sind die Einstellung eines Klimaschutzmanagers für drei Jahre, die Erstellung eines Mobilitätsmanagements für den Fuhrpark sowie 10 000 Euro für kleine Energiemanagement-Investitionen an Landkreis-Immobilien. Landrat Kai Emanuel sieht Nordsachsen damit auf einem guten Weg. Bernd Biedermann zugewandt sagte er: „Aus den vorliegenden Zahlen können wir schließen, welche Kosten künftig in den Liegenschaften gespart werden können.

Die Ziele des Kreises
Folgende Punkte hat sich Nordsachsen als energie- und klimapolitische Ziele ins Stammbuch geschrieben:
1. Den Energiebedarf mittelfristig zunehmend aus erneuerbaren Energien decken, energieeffizient wirtschaften, regionale Potenziale nachhaltig nutzen.
2. Eine Energieversorgung, die umweltverträglich, nachhaltig, sicher und sozialverträglich ist.
3. Eine enge Abstimmung zwischen denen, die Energie erzeugen und denen, die sie nutzen.
4. Eine kreis- und länderübergreifende Zusammenarbeit auch, um wirtschaftlich arbeiten zu können.
5. Regionale Bedingungen schaffen, die für Investoren im Bereich der erneuerbaren Energien interessant sind.
6. Eine Vernetzung der Kapazitäten aller Partner zur innovativen Energieeffizienzberatung unter Steuerung des Kreises.
 


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