Freitag, 30. Oktober 2020
Freitag, 11. Februar 2011

HISTORIE

Tonnenweise eiskalte Akten

Um Spezialfälle wie dieses Bündel Dokumente aus dem Archiv in Köln kümmert sich Restauratorin Sabrina Rakelmann selbst.Foto: Dirk Hunger

Von Lisa Garn

Wermsdorf (TZ). Wermsdorf wird wichtigster Partner bei der Rettung von Material aus dem Kölner Stadtarchiv. Zwischen der Einrichtung und dem Sächsischen Staatsarchiv soll in Kürze ein Kooperationsvertrag für die Dauer von fünf Jahren unterzeichnet werden.

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Wermsdorf (TZ). Wermsdorf wird wichtigster Partner bei der Rettung von Material aus dem Kölner Stadtarchiv. Zwischen der Einrichtung und dem Sächsischen Staatsarchiv soll in Kürze ein Kooperationsvertrag für die Dauer von fünf Jahren unterzeichnet werden. Das Archivzentrum Hubertusburg bekommt zudem mehr Personal. Bis zu 30 Kräfte sollen das Material aus Köln sichern helfen. Derzeit sind zehn Hilfskräfte dafür im Einsatz.  
  
Seit März 2010 werden im Archivzentrum auf Schloss Hubertusburg Urkunden, Karten und Protokolle restauriert. „Wir haben bisher fünf Tonnen Kölner Archivgut gefriergetrocknet sowie 60 Meter Akten und Dokumente gereinigt“, sagt Restauratorin Sabrina Rakelmann.  In regelmäßigen Abständen bestellt sie in Köln Container mit schockgefrostetem Material. In Wermsdorf wird ihm in Gefriertrocknern im Vakuum Feuchtigkeit entzogen und anschließend trocken gereinigt. Zehn Hilfskräfte säubern die einzelnen Seiten mit Latexschwämmen und Bürsten von Betonstaub, glätten Knicke und entfernen Schimmel. „Das sind Arbeiten, für die man sicherlich Sensibilität mitbringen muss, die aber anlernbar sind“, erklärt Rakelmann.

Bisher lief die Zusammenarbeit im Probebetrieb, nun soll der Brückenschlag zwischen Rhein und Elbe vertraglich abgesichert werden. Nun hat der Kunst- und Kulturausschuss der Stadt Köln dem Abschluss eines Kooperationsvertrages zugestimmt. Er hat zum Ziel, zunächst für die Dauer von fünf Jahren auf Schloss Hubertusburg ein Restaurierungszentrum des historischen Stadtarchivs zu betreiben. Die Stadt Köln erhielte das Nutzungsrecht an 26 Räumen (insgesamt 3000 Quadratmeter) sowie den technischen Anlagen zur Gefriertrocknung. Die Flächen und Anlagen werden unentgeltlich überlassen, der Freistaat Sachsen berechnet lediglich eine Umlage der Betriebs- und Verwaltungskosten in Höhe von jährlich 121 000 Euro. „Mit der  Nutzung der Räumlichkeiten wird unsere eigentliche Arbeit nicht eingeschränkt. Für die Restaurierung des Archivguts stellen wir etwa die Hälfte des Werkstattbereichs zur Verfügung“, betont Dr. Thomas-Sergej Huck, Leiter des Archivzentrums Hubertusburg. Mit der Unterzeichnung des Vertrages ist die Einrichtung der wichtigste Partner bei der Rettung des Kölner Archivgutes. Eine weitere zentrale Stelle für die Restaurierung ist Münster in Nordrhein-Westfalen. Derzeit wird in Köln ein neues Archiv aufgebaut.

Nach dem Einsturz des Historischen Archivs der Stadt Köln im März 2009, vermutlich im Zusammenhang mit dem unter ihm verlaufenden U-Bahn-Bau, wurde das Material auf bundesweit 19 Asylarchive verteilt. „In den meisten lagert es und wird erfasst. Wermsdorf hat eine bedeutende Funktion, weil hier Gefriertrocknungsanlagen vorhanden sind“, sagt Huck. „Die moderne Anlage ist ein Resultat der Flut 2002. Wir haben hier eine Notfalleinrichtung, die bewusst so groß gebaut wurde, um nach solchen Katastrophen sehr viel Material bearbeiten zu können.“ Für die Restaurierung in Wermsdorf soll das Personal aufgestockt werden. 20 Hilfskräfte, die über das Jobcenter Nordsachsen gefördert werden, sowie zehn vom Stadtarchiv Köln angestellte Kräfte sollen hier arbeiten. „Wann genau das sein wird, kann man jetzt noch nicht sagen. Es wird im Laufe des Jahres geschehen“, so Huck. „Aber es ist ein Gewinn, dass mit dieser Arbeit wieder einige im ersten Arbeitsmarkt Fuß fassen können.“ Die Restaurierungsarbeiten am beschädigten Archivgut sind enorm zeitaufwendig. Ein einzelner Restaurator würde 6300 Jahre benötigen, um die verheerenden Beschädigungen an den Materialien zu beseitigen. Bei dem Einsturz begrub tonnenschwerer Schutt  das geschichtlich wertvolle Gedächtnis des Hauses. Neben Betonstaub setzten Schlamm und Wasser den Akten, Urkunden, Karten oder Protokollen zu. Die voraussichtlichen Gesamtkosten für die Restaurierung betragen 350 Millionen Euro, die von Köln aufzubringen sind.

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