Samstag, 28. November 2020
Mittwoch, 14. Dezember 2011

LOKALSPORT

Der Messi von Torgau

Das ist Léon „Lionel“ Besser. Der 9-jährige Torgauer ist Fußballer mit Leib und Seele. Foto: TZ/LAND

H. Landschreiber

Fußball (TZ). Die Wände des Kinderzimmers zieren Poster von den aktuellen Fußballstars: Das Konterfei des argentinischen Weltklassespielers des FC Barcelona, Lionel Messi, scheint auf einem überdimensionalen Handtuch über das Wohl und Wehe zu wachen ...

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Fußball (TZ). Die Wände des Kinderzimmers zieren Poster von den aktuellen Fußballstars: Das Konterfei des argentinischen Weltklassespielers des FC Barcelona, Lionel Messi, scheint auf einem überdimensionalen Handtuch über das Wohl und Wehe zu wachen, auf dem Computer-Bildschirm ist eine Szene aus dem Spiel zwischen Manchester City und dem FC Arsenal eingefroren, zu Pyramiden aufgeschichtete Fußbälle und 20 Trikots der unterschiedlichsten Vereine, die fein säuberlich auf Bügeln im Kleiderschrank hängen, lassen die Dimension der Fußballverrücktheit erahnen.

Der Blick bleibt an Pokalen und Urkunden hängen. Stolz zeigt Léon Besser sein „Reich.“ Der Neunjährige spielt nicht nur in der E-Jugend des SC Hartenfels Torgau 04 Fußball, er lebt Fußball. Als das Eis gebrochen und die erste Scheu abgelegt ist, sprudelt es aus ihm nur so heraus. Geburtsdaten und Körpergrößen von sämtlichen Stars der Szene zählt Léon Besser wie aus der Pistole geschossen auf. „Bei ihm dreht sich alles nur um Fußball“, sind sich seine Eltern, Cindy Besser und Denis Biedermann, einig. „Aber Vorrang hat natürlich die Schule.“ Léon geht in die 4. Klasse, ist ein Musterschüler mit Einsen und Zweien auf dem Zeugnis, der ab dem kommenden Jahr aufs Gymnasium wechseln möchte. „Ich glaube fest an meine Chance, einmal Profi-Fußballer zu werden. Dafür tue ich alles und trainiere hart“, sagt das 1,29 Meter große Energiebündel wie selbstverständlich.

Seit seinem 5. Lebensjahr spielt Léon Fußball: Das Fundament für eine Karriere wird Woche für Woche in vielen Trainingseinheiten gelegt. Léon Besser hat einen für das Alter eher untypischen Alltag. Im Ernstfall hat er an drei Tagen die Woche Training und an den Wochenenden Punktspiele. Am Dienstag geht es zum DFB-Stützpunkt nach Eilenburg, mittwochs oder donnerstags ist in der Regel beim SC Hartenfels Torgau Training, am Freitag fährt er mit Mama mit dem Zug zu RB Leipzig. „In jedem Training lerne ich etwas dazu“, erklärt Léon, zu dessen Lieblingsvereinen Bayern München und RB Leipzig gehören. Die kleinen, dribbelstarken Techniker wie Toni Kroos, Carsten Kammlott und natürlich Lionel Messi haben es ihm angetan. In Torgau trägt er die Rückennummer 7, spielt im zentralen Mittelfeld, wo er die Stürmer mit Vorlagen füttern und die gegnerischen Angreifer im Zaum halten soll. Zu seinen Stärken zählen die Beidfüßigkeit, an der Schusskraft und Schusstechnik muss er noch arbeiten.

„Selbst in der Wohnung ruht der Ball nicht: Léon hat mir Bilderrahmen und Lampen kaputt geschossen“, schüttelt Cindy Besser schmunzelnd den Kopf. „Er ist regelrecht fußballbesessen. Wenn er abends todmüde ins Bett fällt, gibt er im Schlaf manchmal Anweisungen wie auf dem Fußballplatz.“ Vor einigen Wochen war er mit RB Leipzig, wo er eine sogenannte Gastspiel-Genehmigung besitzt, bei einem hochkarätig besetzten Hallenturnier in Zwickau. Zu den Teilnehmern zählten neben dem FSV Zwickau, auch Dynamo Dresden, der Chemnitzer FC, der BFC Dynamo und FK Teplice. „Leider haben wir im Halbfinale in letzter Sekunde gegen Chemnitz verloren, sind aber durch ein 2:0 über Dynamo Dresden immerhin Dritter geworden“, erinnert sich Léon. Neben einem Mannschaftsfoto ist ein T-Shirt sein ganzer Stolz: Léon Besser wurde ins All-Star-Team des Turniers gewählt. Aufmerksam wurden die „Roten Bullen“ auf ihn, als er in diesem Jahr bei den Hallenkreismeisterschaften in Eilenburg als „Bester Spieler“ ausgezeichnet wurde. Wenige Tage später erhielt Léon  einen Brief von RB Leipzig, in dem er zu einem Probetraining eingeladen wurde.

Sein Talent blieb den Spähern von RBL also nicht verborgen. „Natürlich war ich vor dem Probetraining aufgeregt.“ Mittlerweile hat ihn der aufstrebende Verein aus Leipzig auf dem Zettel. „Bis zu einem Wechsel nach Leipzig ist es noch ein weiter Weg“, ist sich Denis Biedermann sicher. „Vorrang hat die Schule.“ Aber seine Eltern und Großeltern fördern sein Talent, ohne zu fordern, ermöglichen so manche Trainingsfahrt und so manchen Wunsch rund um das runde Leder. Dazu zählten ein Probetraining beim FC Bayern München an der Säbener Straße, wo Léon sein Idol Toni Kroos persönlich traf, genau wie ein Besuch des Bundesligaspiels zwischen Hertha BSC Berlin gegen Bayern München. Léon bleibt sich treu, als er das Spiel quasi noch einmal nacherzählt. „Hertha hat 2:1 gewonnen. Die Tore schossen zweimal Woronin und Klose zum 1:1.“ Dabei liegt das Spiel fast drei Jahre zurück. Bei der Verabschiedung streichelt Léon, der ein Trikot von RB Leipzig trägt, seine Katze: Ein ganz normaler Junge. Fast. Aber der Fußball ist allgegenwärtig …

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