Dienstag, 20. Oktober 2020
Freitag, 15. Juni 2012

HISTORIE

Ewige Pflege per Kapitulationsvertrag geregelt

Louis Marie Jacques Amalric, Graf von Narbonne-Lara.Foto: Repro: Archiv

von unserer Redakteurin Eileen Jack

Torgau (TZ). Als französischer Feldmarschall wurde  der Graf von Narbonne im Jahre 1813 als Festungsgouverneur nach Torgau versetzt, rief hier im Oktober des Jahres die Belagerung der Stadt aus und verstarb noch im gleichen Jahr.

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Torgau (TZ). Louis Marie Jacques Amalric, Graf von Narbonne-Lara, verstarb am 17. November 1813 geschwächt durch einen Reitunfall an Typhus in Torgau. Kurz zuvor hatte ihn Napoleon dazumal als Festungsgouverneur nach Torgau versetzt. Und in dieser Funktion schrieb der Graf zumindest Torgauer Geschichte. „Die Bevölkerung hier setzte große Hoffnungen in Narbonne. Er hatte bei einer Kapitulation günstige Bedingungen für die Stadt in Aussicht gestellt und genoss großes Ansehen in der Bevölkerung“, erklärt Manfred Dauer, Vorsitzender des Grenadierbataillons von Spiegel, der selbst auch die Zeit Narbonnes darstellt und aufleben lässt.

Der Verein lässt aktuell das Grabmal des Grafen auf dem Torgauer Friedhof restaurieren. Im kommenden Jahr ist dann anlässlich des 200. Todestages und der Belagerung Torgaus – die wurde am 9. Oktober 1813 ausgerufen – eine offizielle Festveranstaltung geplant.  Für dieses Vorhaben braucht der Verein zuverlässige und engagierte Partner. Im Rahmen der diesjährigen Gedenkveranstaltung zum Elbe Day kamen Vertreter des Grenadierbataillons deshalb mit dem französischen Militärattaché ins Gespräch, überreichten ihm ein Schreiben und Bilder, die das Vorhaben erklärten. „Er war sehr interessiert und hat auch bereits mit dem Botschafter Kontakt aufgenommen, inwieweit die Botschaft das Vorhaben unterstützen könnte“, freut sich Manfred Dauer.  Bereits seit dem Jahr 2007 arbeitet der Verein an der Umsetzung des Projektes, stellte Nachforschungen an, fand heraus, wer Eigentümer der Grabstätte ist und wer Ansprechpartner bezogen auf das Vorhaben. „Mit dem Tod Narbonnes wurde im Kapitulationsvertrag festgelegt, dass die Grabstätte aus Ewig gepflegt und geehrt wird. Aus diesem Grund haben wir die Problematik auch gegenüber der Stadt erläutert. Letztendlich haben wir das Ganze als Verein dann aber doch selbst in die Hand genommen und uns die Verantwortung praktisch von der Stadt übertragen lassen“, so Dauer weiter. Seit gut einem Jahr arbeitet der Verein jetzt intensiv an der Sanierung, bereitet diese detailliert vor. Noch in diesem Jahr soll das Grabmal, das unter Denkmalschutz steht und als „herausragendes Einzeldenkmal“ eingestuft wurde, in einen vorzeigbaren Zustand versetzt werden. Manfred Dauer ist zuversichtlich, das Ziel auch zu erreichen. Bei der Stadt trifft der Verein immer wieder auf offene Ohren, kann sich jedweder Unterstützung sicher sein, wie der Vereinschef betont. Gleiches gilt für die untere Denkmalschutzbehörde.
Glücklicherweise ist inzwischen auch die Finanzierung des Projektes gesichert. Neben Stadt und Landkreis, die sich an den Kosten beteiligen, stellt auch die Sparkassenstiftung eine nicht unerhebliche Finanzspritze zur Verfügung. „Ich hoffe, dass wir mit 6500 Euro auskommen. Allerdings benötigen wir nach wie vor Gelder und hoffen auf weitere Spenden“, so Dauer (siehe Spendenkonto).

Anlässlich des bereits erwähnten 200. Todestages Narbonnes und des Jahrestag der Belagerung Torgaus plant das Grenadierbataillon für das kommende Jahr ein Großereignis. Dafür recherchieren die Vereinsmitglieder in Frankreich, suchen mögliche Nachfahren des Grafen. Auch Kontakte zur französischen Botschaft bestehen bereits. Darüber hinaus schwebt Manfred Dauer ein gemeinsames Projekt  zwischen dem Gymnasium in Torgau und einer französischen Schule vor. „Die Schüler könnten die Geschichte Narbonnes noch genauer erforschen und die Ergebnisse im Rahmen der Veranstaltung vorstellen“, so Dauer. Im Foyer des Torgauer Rathauses soll es dann eine Präsentation zu Narbonne geben. Das Grenadierbataillon versucht auch die Deutsch-Französische Gesellschaft und des gleichnamige Jugendwerk in die Planungen einzubeziehen. „Es wäre doch schön, wenn sich hier ein Jugendcamp beider Nationalitäten einrichten ließe. Die Jugendlichen würden ein bis eineinhalb Wochen in Torgau verbringen und die Geschichte erleben. Inzwischen haben wir ein ganzes Netzwerk an Partner für das Projekt aufgebaut, auch Kontakt mit der Bundeswehr und dem Verteidigungsministerium geknüpft“, so Manfred Dauer im Gespräch mit der Torgauer Zeitung. Gern will er Torgau auch international bekannter machen und hofft, dies mit dem geplanten Großereignis Ende 2013 auch zu erreichen.

Wer war Narbonne?
Geboren wurde Narbonne am 17. April 1755 in Colorno. Vater war Feldmarschall Jean-Francois Comte de Narbonne-Lara, Mutter Francoise de Chalus – Ehrendame der Prinzessin und Herzogin von Parma und später der Marie Adelaide des Bourbon. Es wurde zwar nie bewiesen, aber bis heute gilt Narbonne als möglicher Sohn Ludwig XVI. Er wuchs mit den Königskindern auf und genoss eine erstklassige Erziehung sowie Ausbildung am Hof von Versailles. Narbonne wurde Vater zweier Söhne.

Graf von Narbonne war Minister unter Ludwig XVI von Frankreich, französischer General sowie Diplomat an Fürstenhöfen in Hannover, Wien und Petersburg. Als Divisionsgeneral und Adjutant des Kaisers Napoleon nahm er am Russlandfeldzug 1812 teil. Schließlich wurde er als Gouverneur der französisch besetzten Festung Torgau am 14. September 1813 eingesetzt. Bei seiner ersten Garnisonsparade stürzte Narbonne vom Pferd und verstarb am 17. November 1813 in seinem Quartier am Torgauer Fleischmarkt. Er wurde mit militärischen Ehren in der Festungsbastion Nr. 7 bestattet, die daraufhin auch „Bastion Narbonne“ genannt wurde. Sein Herz aber wurde durch den Adjutanten Rohan-Chabot nach Frankreich gebracht.

Im Zuge der Entfestigung und Abtragung der Bastion wurde das Grab im Jahr 1902 mit militärischen Ehren durch die preußische Garnison unter großer Anteilnahme der Torgauer Bevölkerung auf den Torgauer Friedhof umgebettet. Als Zeichen seiner erworbenen Verdienste für Frankreich, aber auch für Torgau, ist folgende Inschrift auf dem Grab zu lesen: „HONNEUR – VERTU – COURAGE“ (Ehre – Tugend – Mord). Dies gilt als höchste Anerkennung.


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