Samstag, 28. November 2020
Freitag, 7. Oktober 2011

HISTORIE

Clara Schumanns hiesige Wurzeln

Diese Zeichnug von C. Reich zeigt die ehemalige Auffahrt zum Freigut Seeberg. Foto: Repro: Archiv Autor

Hermann Förster

Dommitzsch (TZ). Im 18. Jahrhundert gab es in Dommitzsch eine Familie Wieck. Das ist eigentlich noch kein Grund, über sie zu schreiben, aber andere Gründe bieten sich an. Da gab es einst den Musikpädagogen Johann Friedrich Gottlob Wieck, der aus dieser Familie stammte. Seine Tochter Clara heiratete den Musiker Robert Schumann.

Facebook Twitter WhatsApp Mail Drucken
Dommitzsch (TZ). Im 18. Jahrhundert gab es in Dommitzsch eine Familie Wieck. Das ist eigentlich noch kein Grund, über sie zu schreiben, aber andere Gründe bieten sich an. Da gab es einst den Musikpädagogen Johann Friedrich Gottlob Wieck, der aus dieser Familie stammte. Seine Tochter Clara heiratete den Musiker Robert Schumann. Gottlob Wieck war einst Besitzer des Dommitzscher Seebergs. Es scheint sich also doch zu lohnen, im Leben dieser Familie etwas nachzuforschen.

So ist im Kirchenbuch über die Trauungen unter dem 15. Juni 1751 Folgendes zu lesen: „Der Hochwohl Ehrwürdige Hochachtbare u. Hochwohlgelahrte Hr. Hr. Carl Gottlob Wieck, der Welt-Weisheit und freyen Künsten Magister wie auch hochwohlverordneter u. treu-Verdienter Archidiaconus bey der hiesigen Marien Kirche in Dommitzsch alh. des weyl. Wohledl. u. Großachtbaren Hr. Hr. Christoph Heinrich Wiecks, gewes. ansehnlichen Bürgermeisters E. E. u Weysen Raths in Aelsterwertha hinterl. ehel. eintziger Hr. Sohn mit der Hochedl. Hochehr- u. Tugendgelobten Jgfr. Jgfr. Christianen Sophien des weyl. Hochedl. Hochachtbaren und Mann Vesten Hr. Hr. Joh. Christoph Faehrmanns Sr. Köngl. Maj. in Pohl. u. Churfl. Durchlaucht zu Sachsen wohlfestbestallt gewesen. reitenden  Försters in Falkenberg hinterl. ehel. eintzigen Jgfr. Tochter. “

Kurz gefasst: Der Archidiakon Carl Gottlob Wieck in Dommitzsch, Sohn vom ehemaligen Bürgermeister Christoph Heinrich Wieck in Elsterwerda, heiratet die Jungfrau Christiane Sophie, einzige Tochter des verstorbenen reitenden Försters Johann Christoph Fährmann aus Falkenberg. Dommitzsch hatte einst drei Pfarrer: Den Oberpfarrer, den Archidiakon und den Diakon. Den Archidiakon könnte man als zweiten Pfarrer von Dommitzsch bezeichnen, der zuständig war für die Orte Drebligar und Polbitz. Taufen, Trauungen, Begräbnisse, auch in Dommitzsch, wurden fast nur vom Archidiakon und vom Diakon besorgt.

Carl Gottlob Wieck muss für die damalige Zeit eine gute Partie gewesen sein. Gegen 1767 scheint er das Freigut Seeberg erworben zu haben, was sicher nicht billig war. Durch diesen Erwerb wurde er Besitzer von zwei Hufen, die zum Gut gehörten, von denen er aber eine halbe Hufe verkaufte. Die anderen Hufen verpachtete er. Acht Kinder wurden ihm geboren, von denen vier schnell starben. Ein Sohn, Joh. Gottlob Heinrich, geboren 1753, wurde nach seiner Ausbildung Pfarrer in Trossin, bis zu seinem Tod 1790, mit 37 Jahren. Eine Tochter Carolina Juliana Theresia, heiratete einen Pfarrer. Die andere Tochter, Joh. Christiana Friderica, heiratete den Dommitzscher Kantor Christian August Pfund, jüngster Sohn eines Tuchmachermeisters aus Jessen. Sie scheint einen kleinen Materialwarenladen besessen zu haben, im Haus, später Herberge zur Heimat.

Der jüngste Sohn, Carl Friedrich Gotthelf Wieck, heiratete 1781 in Dommitzsch Christiana Dorothea, die älteste Tochter von Samuel Gottlob Oschatz, Pfarrer in Großbardau. Sie zogen nach Pretzsch, kauften dort am Markt ein Haus und eröffneten ein Handelsgeschäft. Am 18. August 1785 wurde ihnen ein Sohn geboren, der die Namen Johann Friedrich Gottlob erhielt. Er studierte Theologie, wandte sich aber später der Musik zu und wurde ein bekannter Musikpädagoge. Wen sollte es da wundern, wenn seine Tochter Clara eine gute Pianistin wurde. Sie heiratete den Musiker und Komponisten Robert Schumann. Ihr Urgroßvater in Dommitzsch lebte da aber schon nicht mehr. Er war im März 1775 gestorben, seine Frau überlebte ihn um 23 Jahre. Sein geliebtes Freigut Seeberg wurde später von seinem Nachfolger, Archidiakon Petrick, übernommen.

(Quellen: Kirchenbücher und Sächs. Heimatblätter 2. 1987, Art. Heinr. Kühne)



Das könnte Sie auch interessieren

TZ-ePaper

ePaper lesen

Lesen Sie das ePaper der Torgauer Zeitung bequem zu Haus oder unterwegs.

Jetzt 14 Tage lang unverbindlich testen!

 
Industrie 4.0 kompakt – Erfahrungsaustausch
09.12.2020, 15:00 Uhr - 16:30 Uhr

Weitere Veranstaltungen unter:
www.leipzig.ihk.de
 

Aktuelle Bildergalerien

AKTIONEN

black-friday

Weihnachtsabo

TZ-Probelesen

Wirtschaftsmagazin

Torgau-Plus

Wanderführer

Feste und Gäste

INFOS & EMPFEHLUNGEN

laga