Montag, 2. August 2021
Freitag, 21. November 2014

HISTORIE

Tanklager in Torgau war beliebtes Angriffsziel

Diese Luftaufnahmen entstanden nach dem Angriff. Foto: Repro: Podbielski

Von Ulf Podbielski

Torgau. Die Rhenania-Ossag Mineralölwerke AG war eine Tochtergesellschaft der SHELL AG. Über die Geschichte des Tanklagers in Torgau, das 1929 errichtet wurde, ist bisher sehr wenig bekannt.

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Torgau. Die Rhenania-Ossag Mineralölwerke AG war eine Tochtergesellschaft der SHELL AG. Über die Geschichte des Tanklagers in Torgau, das 1929 errichtet wurde, ist bisher sehr wenig bekannt. Angeregt durch den Artikel von Herrn Füssel über die Geschichte der Glashütte möchte ich die mir bekannt gewordenen Vorgänge 1945 schildern. Mit dem Fortschreiten des Krieges gab es auch bezüglich des Tanklagers Torgau Überlegungen dies teilweise unterirdisch zu verlagern. In einem Wiedergutmachungsantrag aus der Region Düsseldorf von Christen jüdischer Abstammung kann man dazu Folgendes lesen: „ … In dem Lager Lönnewitz war ich bis Ende 1944 und kam dann in ein dem Lönnewitzer Lager disziplinarisch unterstelltes Lager nach Torgau, welches sich auf dem Gelände der Rhenania Ossag befand. Wir sollten auch dort hinter Stacheldraht kommen, dieser wurde aber nicht angebracht wegen der Gefährlichkeit bei Fliegerangriffen. Wir sollten dann größere Öltanks unterirdisch anlegen. Auch in diesem Lager gehörten wir formell der genannten westfälischen Baufirma Milke (Anm. Verfasser: Hermann Milke KG aus Soest) an.Wir wurden nicht militärisch, sondern nur durch OT-Leute (Organisation Todt) bewacht. Bezahlung war dieselbe, wir hatten auch keinen Ausgang, wenigstens nicht offiziell. …“. Aber scheinbar wurden beim Bau der unterirdischen Tanks keine großen Fortschritte erzielt, wie die Ereignisse vom 20. April 1945 belegen.

Der 20.April 1945
Am Nachmittag des 20. April 1945 bereiten sich die Piloten der 404. Fighter Group, die mit P-47 Thunderbold ausgerüstet waren, auf einen ihrer letzten Kampfeinsätze in Deutschland vor. Darunter war auch 1st Lt. John H. Wainwright (Er kam am 7. Juli 1945 bei einem Startunfall ums Leben) aus Texas. Sie hatten den Auftrag, das wichtige Tanklager in Torgau anzugreifen. Mit einer einzigen Rakete, die er aus 5000 Fuß (ca. 1700 m) abschoss, traf er einen der zentralen Tanks, der sofort in Flammen aufging und explodierte, sodass die anderen Piloten, die am Angriff beteiligt waren, keine weiteren Angiffen auf das Tanklager fliegen konnten.In der einzigen mir bekannten Seite des Feuerwehrtagebuches aus den 1940er-Jahren wird vom Leiter der Torgauer Feuerwehr Richter am 20. April 1945 notiert: „16.00 Uhr Rhenania-Ossag und Glashütte. Beide Betriebe durch Beschuss von Tieffliegern (Lightnings) in Brand geraten. 1 TS4 und 1 TS8. Nachbarliche Löschhilfe alarmiert.“ Beim Flugzeugtyp (die P-38 „Lightning“ war eine Doppelrumpfmaschine) scheint Herr Richter sich geirrt zu haben, was aber nicht weiter verwunderlich ist, da die P-38 der 474. Fighter Group Mitte April 1945 in der Region Torgau fast täglich präsent waren (zu dieser Einheit gehörte auch der am 13.April 1945 bei Elsnig abgestürzte Pilot Estill). Auf den beiden Schrägluftaufnahmen (die obere entstand direkt nach dem Angriff und die andere nach dem Zusammentreffen der amerikanischen und sowjetischen Truppen bei Torgau) sind sehr gut die Auswirkungen des Angriffs zu erkennen. Neben dem Brand im Tanklager ist noch ein kleinerer Brandherd im Süden (Bildmitte) der Glashütte erkennbar. Die weißen Wolken dürften von der Produktion der Glashütte stammen. Das zweite Bild lässt die Wucht der Explosionen und die enorme Hitze des Brandes erahnen. Den Deckel eines der Tanks hat es abgesprengt und deformiert.

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